Jasper FForde: Grau

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Eine Rezension zu Jasper FFordes Roman Grau

Eine Buchbesprechung von Friederike

“Alles begann damit, dass mein Vater nicht das Letzte Kaninchen sehen wollte. Und es endete damit, dass ich von einer fleischfressenden Pflanze verspeist wurde. So hatte ich mir meine Zukunft nicht vorgestellt.”

Schon der erste Satz zeigte mir, dass der Roman Grau etwas ganz Besonderes werden würde. Die Welt, die Jasper Fforde hier erschaffen hat, ist einfach unglaublich. So skurril, detailreich und anders, ich kann es in seiner Gesamtheit kaum beschreiben. Alles dreht sich hier um Farben, wirklich alles. Medizinische Probleme werden zum Beispiel nicht mit Medikamenten behandelt, sondern mit Farbtönen. 125-66-53 ist das beste Schmerzmittel, während 332-26-85 einem bei Blickkontakt sofortige Hämorrhiden beschert (Link hinterlegt, einfach mal gucken). Natürlich werden diese Farben auch gerne als Drogen unter der Hand verkauft, doch das geschieht nicht mehr auf dem Schwarzmarkt, sondern auf dem Beigemarkt. Die Abneigung gegen Schwarz mag daher kommen, dass für die Menschen, deren ganzer Alltag von Farben bestimmt wird, die Nacht und ihre Dunkelheit die größte Gefahr darstellt, welche schon viele in den Wahnsinn getrieben hat. Mal abgesehen von  den gefürchteten Blitzeinschlägen und Schwan-Angriffen, natürlich.

Irgendetwas ist passiert, irgendwann in der Vergangenheit, was die Gesellschaft vollkommen verändert hat. Deshalb gibt es keine Bücher mehr, die Purpurnen bilden die angesehendste Klasse unter den Menschen und Löffel sind Mangelware. Elektrizität gibt es kaum noch, Licht gewinnt man durch Spiegel auf jedem Dach, die die Sonne einfangen.

Eddie hat sich nie gefragt, warum das alles so ist, sondern nur seine Heirat mit Constance Oxblood geplant, einer einflussreichen Roten. Doch in East Carmine wird seine Welt auf den Kopf gestellt. Die strengen Regeln werden hier regelmäßig zurechtgebogen, wie man es gerade braucht und politische Intrigen gehören zum Alltag. Dummerweise wird auch Eddies Rückfahrkarte gleich am ersten Tag vom Obersten Präfekt beschlagnahmt. Eigentlich soll er hier nur eine Stuhlzählung durchführen, aber nun scheint sein Aufenthalt länger zu dauern. So wird er immer mehr in das seltsame Dorfleben integriert und sein neuer Freund Tommo Cinnabar plant schon eifrig seine Hochzeit mit einem der ansässigen Mädchen.

Doch Eddie interessiert sich eigentlich nur für die Graue Jane, die ein merkwürdiges Geheimnis zu umgeben scheint. Warum rebelliert sie ständig gegen das System und macht seltsame Andeutungen? Nur eines dazu: der Komplott, der hinter allem steckt, ist gewaltig und wird in diesem Buch gerade mal angekratzt. Jasper Fforde erzählt in Shades of Grey eine so kreative und unglaubliche Geschichte, dass ich von der ersten bis zur letzten Seite gebannt am Buch geklebt habe. Vom Einfallsreichtum und Faszinationsgrad her hat es mich an Walter Moers Die Stadt der träumenden Bücher erinnert und wer dieses mochte, wird Shades of Grey lieben. Für mich war das Buch ein unglaubliches Lesevergnügen, welches ich allen unter euch unbedingt ans Herz legen möchte, die auf einzigartige Geschichten voller wahnwitziger Ideen, Humor und Andersartigkeit stehen (aber vielleicht lieber auf Deutsch, das Englisch war recht anspruchsvoll). Einziger Wermutstropfen: Das Buch ist der Auftakt zu einer Trilogie, deren Nachfolger noch nicht mal im englischen Original erschienen ist… Aber egal, ich warte sehr gerne darauf, wieder in die quietschbunte Welt von Eddie Russett eintauchen zu können. Und bis dahin sammle ich schonmal meine Löffel… :-)

Fazit:

Mein neues Lieblingsbuch!


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