David Weber: Der Widerstand

© Die Rechte für das Cover liegen beim Verlag und beim Urheber

American Dads versus Aliens: Rezension zu David Webers Roman Der Widerstand

Eine Buchbesprechung von Rob Randall

Tief draußen in den unerforschten Einöden der des westlichen Spiralarms der Galaxis dreht sich zwar ein kleiner blauer Planet, der von primitiven Bioformen bewohnt wird – aber so ganz unbeachtet und unbegehrt, wie uns manche Autoren weiß machen wollen, ist er ganz und gar nicht. Und nicht so primitiv, wie es den Anschein haben mag. So auch in David Webers 2010 veröffentlichtem Alieninvasionsroman Der Widerstand.

Zwar hat der als Hegemonie bezeichnete Zusammenschluss der intelligenten Rassen des Universums, nachdem seine vegetarischen Späher das zweifelhafte Vergnügen gehabt haben, die Schlacht bei Azincourt (1415) beobachten dürften, eigentlich nur vorsichtshalber die Vernichtung der blutrünstigen Menschheit beschlossen, bevor diese eine gewisse Zivilisationsstufe erreicht, doch der Planet KU-197-20 soll trotzdem an Das Imperium der Shongairi gehen. Aber die Mühlen kosmischer Bürokratien mahlen langsam und das Universum ist groß, so unendlich groß, so einfach unfassbar groß, dass… – jedenfalls, als die Invasionsflotte eintrifft, kann sich die unerwartet schnell entwickelnde Menschheit nicht mehr nur mit Pfeilen beschießen, sondern mit Interkontinentalraketen unterschiedlichsten Kalibers. Entgegen den Vorschriften der Hegemonie und wider besseren Wissens schreiten die nur ihre eigenen Interessen verfolgenden arroganten Invasoren, welche ihre Gegner stark an Hunde erinnern, zur verhängnisvollen Tat: Mit einer Cyberattacke und einem Hagel ballistischer Geschosse auf militärische, industrielle und zivile Zentren sind die organisatorischen Strukturen und Verteidigungspotentiale der Nationalstaaten vernichtet. Aber natürlich lassen die Menschen einen solchen Angriff, der der Hälfte ihrer Bevölkerung das Leben kostet, nicht auf sich sitzen. Als die Shongairi ihre Bodentruppen einsetzen, entwickelt sich dementsprechend ein Guerillakrieg, der hauptsächlich von durchaus rachsüchtigen, aber integeren Familienvätern geführt wird, die – auch wenn sie nicht amerikanischer Nationalität sind – fast bis zur Ununterscheidbarkeit von den gleichen Gedanken um ihre Angehörigen bewegt werden.

Alienpolitiker in Klausur – Menschliche Heroen im Schlachtgetümmel

David Webers Roman, der mit der Schilderung der Aliens einsetzt und erst nach und nach multiperspektivisch die verschiedenen menschlichen Protagonisten einführt, bedient sich des hinlänglich bekannten Repertoires des Genres: Die Invasoren sind den Menschen technisch überlegen und zumindest die Politiker der Hegemonie genauso skrupellos und egoistisch wie die uns bekannten terrestrischen Exemplare. Tatsächlich fühlt sich der den bis zu seiner Ermüdung geführten Diskussionen und Vorträge im außerirdischen Schlachtschiff beiwohnende menschliche Leser häufig eher an elitäre Beratungssitzungen seiner eigenen Gattung erinnert – da können die anwesenden Fleischfresser ihre behaarten Ohren überrascht spitzen oder demütig anlegen wie sie wollen.

Natürlich kann so ein Invasionsroman auch nur funktionieren, wenn die menschliche Gattung den Angreifern wenigstens ein wenig Paroli bieten kann. Bei Weber unterschätzen die Angreifer den Menschen aber ganz gehörig – psychisch wie auch technisch: Die Landungsshuttles sind den amerikanischen F-22 hoffnungslos unterlegen, die Schwebepanzer gehen reihenweise in Flammen auf, nachdem sie überraschend in den afghanischen Bergen Bekanntschaft mit M1 Abrams machen mussten – ja selbst die Freischärler in der Ukraine und in Rumänien nieten mit ihren bis ins kleinste technische Detail beschriebenen Gewehren einen Alien nach dem anderen auf den Ladeflächen der Transporter um. Man muss Weber wenigstens zu gute halten, dass er das nachdenkliche Stirnrunzeln des Lesers antizipiert haben dürfte und er sich wirklich redlich Mühe gibt, die tatsächliche militärtechnische Unterlegenheit und das strategische wie taktische Dilletantentum der Kriegerelite des bekannten Universums aus mangelnden Erfahrungen mit hochentwickelten Zivilisationen heraus zu erklären, – hinreichend schlüssig ist das aber nicht; zumal sich so den durchaus unterhaltsamen Momenten des Romans immer wieder und wieder Phasen des Erklärens anschließen, die auch in ihrer Wiederholung nicht überzeugender werden.

Phantastische Figuren retten die Menschheit

Dass die aufmüpfigen Widerstandskämpfer des Homo sapiens sapiens deshalb überhaupt mehr als 500 Seiten benötigen, um die Invasionstruppen zu vertreiben und dass ihnen zuletzt auch noch in einem Wettlauf gegen die Zeit jemand anderes die Show stiehlt, mag zuerst verwundern – ersteres wird aber erklärlich, wenn man zu den ausufernden Monologen außerirdischer Experten und den technischen Detailbeschreibungen der rüstungstechnischen Exportschlager auch noch die erzähltechnische Manie  Webers hinzurechnet, außerirdische Offiziere seitenlang ratlose innere Monologe führen zu lassen, bevor diesem Treiben endlich ein 12 Pfund Hochgeschwindigkeitsgeschoss mit 25000 Pfund Aufschlagsenergie und 600 Kilometern in der Stunde ein abruptes Ende setzen kann. Und auch der zweite Punkt lässt sich aus einer erzähltechnischen Schwäche des Romans erklären: Wenn man die ultima ratio der außerirdischen Waffentechnik für menschliche Waffen unerreichbar im Orbit positioniert und die Erde nicht in die Analen der galaktischen Geschichte verbannen will, dann bedarf man nun mal einer Lösung ex machina - welche bei Weber allerdings zu dem krassesten Genrebruch führt, der mir bisher begegnet ist: Gandalf, Blaubart oder Graf Dracula – es wäre alles eins gewesen. Da hilft es auch nichts mehr, wenn man als Autor dem sich beim verblüfften Leser einstellenden Gefühl der Enttäuschung in einem überflüssigen Epilog mit Gedanken über “die Notwendigkeit das Unmögliche zu denken” und haarsträubenden Erklärungsversuchen begegnet.

Fazit

Angesichts des durchaus unterhaltsamen Kampfgeschehens, bei dem man als Leser mit den Angehörigen der eigenen Spezies immer wieder mitfiebert, könnte man Webers Roman Der Widerstand als mittelmäßigen Vertreter des Military-SF mit starken explikativen und häufig ermüdenden Längen sowie stereotypen Figuren nach us-amerikanischer Bauart bezeichnen – wenn da nicht dieses unfassbare Ende wäre, auf das den Leser selbst der umsichtige Hinweises des Verlags im Klappentext (“…die Menschen haben Verbündete. Im Dunkeln. Die neue Serie vom Schöpfer der Honor-Harrington-Reihe vereint auf geniale Weise grandiose Abenteuer-SF mit Horror-Elementen”) nicht vorbereiten kann.

Schon 2 Kommentare zu: David Weber: Der Widerstand

  1. Da bin ich grad drüber gestolpert, und irgendwie klingt es interessant … ist die Schlußbemerkung jetzt aber eher ironisch zu verstehen, oder haut einen das Ende tatsächlich aus den Latschen?

    • Der Kommentar soll heißen: Ich fand den übel. Ich will nicht spoiler, aber was ist gerade sehr beliebt, mächtiger als der Mensch, kann auch Aliens in den Hintern beißen (sorry: Treten) und kommt “Out of the Dark” (Orginaltitel)?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>