Alfred Coppel: Nach der Stunde Null

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Rezension von Alfred Coppels postapokalyptischem Roman Nach der Stunde Null

Eine Buchbesprechung von Rob Randall

Die Folgen eines Atomkrieges schildert Alfred Coppel in seinem nur knapp 180 Seiten umfassenden Roman Nach der Stunde Null aus dem Jahr 1960.

Coppels Plot ist äußerst übersichtlich: Nachdem der Krieg zwischen der UDSSR und den USA – über die Gründe für den Ausbruch der Kampfhandlungen lässt sich der Roman nicht weiter aus – beendet ist, macht sich ein traumatisierter amerikanischer Major, der nicht mehr töten will, auf den langen Weg nach Hause. Auf der Reise durch die zerstörten und durch Radioaktivität und Milzbranderreger verseuchten Landschaften seines Heimatlandes macht er sich in einem rücksichtlosen und gestörten Gewaltmenschen – der ebenfalls wie er selbst, Major ist – einen Feind, der ihn nun verfolgt. Unterwegs rettet er zuerst eine junge Frau vor ihren zwei Vergewaltigern und später einen Jungen vor der Verwahrlosung in einer brutalen Jugendbande, die ihn beinahe tötet. Nach einem klassischen Showdown mit seinem schießwütigen Verfolger erreicht der Protagonist zusammen mit seiner neuen Familie zuletzt sein Heimatdorf.

Eine Story mit Stärken und Schwächen

Die flott aus der Ich-Perspektive erzählte Handlung, die keinerlei Längen aufweist, ist nicht das, was den Roman eigentlich lesenswert macht. Denn so stringent der Plot zu Beginn entwickelt wird, so wenig kann kurz vor Schluss das plötzlicher Erscheinen des Widersachers, dessen Handlungen und Reaktionen höchst unrealistisch sind, überzeugen. Zu offensichtlich war Coppel darum bemüht, den zuvor aufgenommenen Faden der Verfolgung zuende zu bringen und die beiden konträren Figuren noch einmal tiefsinnig einander gegenüber zu stellen. Zu leicht durchquert der Held, der keiner sein will, die mit Milzbrand verseuchten Gebiete, während seine Reittiere elend unter ihm wegsterben, und zu harmlos erscheint angesichts der durchquerten Bombenkrater die Strahlenkrankeit, die ihn befällt.

Figuren am Ende des Krieges

Interessanter als der Plot sind deshalb auch die Figuren selbst und die Art und Weise, wie Coppel diese nach und nach immer stärker zeichnet. Konsequent indirekt durch ihre Handlungen charakterisiert, entstehen die Bilder ihrer von Verlust und Leid verletzten Persönlichkeiten vor den Augen des Lesers. Und entgegen den Leseerwartungen schießt der Held des Romans nicht mehr auf diejenigen, die sein Leben bedrohen. Held wird der Protagonist vor allem durch seinen aus unwillentlichen Idealismus, der ihm aus seinen Traumata erwächst und den er bis zuletzt zu bewahren vermag. Hin und wieder erinnern die zwischenmenschlichen Beziehungen in ihrer Intensität ein wenig an The Road, auch wenn Nach der Stunde Null die Qualität von McCarthys Roman nicht zu erreichen vermag.

Immer wieder stellt Coppel in dem Roman die Frage, wie ein Neuanfang nach dem erlebten Grauen möglich sein soll. Der Roman beantwortet diese zuletzt: Im Vergessen der Jüngeren und in einer Umkehr der Älteren – und in einer Rückbesinnung auf jene Werte, die Kultur und Zivilisation ausmachen.

Fazit

Coppels sehr kurzen und sehr empfindsamen Roman sollte man weniger wegen seiner Handlung, die nicht immer überzeugen kann, lesen, sondern wegen der interessanten Figurengestaltung. Obwohl die Handlung den Leser durchaus packt, könnte er vor allem denjenigen gefallen, die nicht immer nach intensiven und ununterbrochenen Endzeitschießereien verlangen.