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Rezension zu Tim Currans Roman Verseucht
Eine Buchbesprechung von Oli
Hin und wieder gibt es Romane, die sich erst Laufe des Lesens zu guten Werken mausern. Verseucht von Tim Curran ist so ein Kandidat.
Rick Nash durchlebt den apokalyptischen Albtraum. Nukleare Bombenangriffe, radioaktiver Fallout, Tod überall und Verzweiflung. Zu Beginn finden wir ihn durch den Tod seiner Frau einsam und verlassen vor. Sein Leben beginnt grade eine dramatische Wendung, was an den Folgen der atomaren Katastrophe liegt, zu nehmen. Als nun noch seine geliebte Frau der allgegenwärtigen Strahlenkrankheit erliegt und Rick nicht einmal der tote Körper seiner Frau gelassen wird, kippen die Ereignisse. Auf den Straßen herrschen Chaos und Anarchie. Strukturen, die einst eine Zivilisation ausmachten, gehören der Geschichte an. Überall auf den Straßen liegen die verwesenden Körper der Opfer der atomaren Katastrophe.
„Nash“ beißt sich durch und scheint der tückischen Strahlenkrankheit ein Schnippchen geschlagen zu haben. Andere Überlebende hatten da deutlich weniger Glück. Viele sind mutiert und haben so den Verstand verloren, dieses betrifft neben den Menschen auch die Tierwelt, wie Hunde, Ratten und Insekten. Geführt von einer inneren Stimme, die sich ihm als Schattengebilde vorstellt, gelingt es ihm immer wieder, verlassene Lagerstätten für Nahrung und andere Gebrauchsgegenstände aufzuspüren und den tödlichen Mutantenangriffen zu entgehen. Doch eines Tages scheint ihn sein Glück zu verlassen und er wird von einem militärischen Trupp aufgegriffen und muss nun mit anderen die schier unendlichen Berge von Toten beseitigen. Hierbei lernt er seinen Gefährten „Specs“ kennen und erkennt, dass das Gute in den Menschen doch nicht ganz verloren ist. Gemeinsam gelingt ihnen die Flucht, auf der sie noch auf den harten aber gutherzigen Rocker Sean treffen. Fortan kämpfen die drei ums Überleben. Nash, der immer im geistigen Kontakt mit dem Schattengebilde steht, schafft es, die drei an oft gefährlichen Situationen vorbei zuführen und das Überleben zu sichern. Später treffen sie noch auf die junge Janie, für welche Nash rasch Gefühle empfindet – und andersrum. Leider entwickeln sich nicht alle Ereignisse so glücklich und es kommt immer wieder zu Konflikten zwischen der kleinen Gruppe und Mutanten oder feindlichen Überlebenden. Hinzu kommt noch, dass das Schattengilde beginnt, Opfer zu fordern, damit die weitere unversehrte Reise gewährleistet werden kann. Doch die Ereignisse überschlagen sich schnell, als Specs beginnt, erste Anzeichen der Strahlenkrankheit zu zeigen. Und dann kommt wie es kommen muss, das Schattengebilde fordert ein Opfer aus den eigenen Reihen und scheint nicht satt zu werden…
Meine Meinung
Tim Curran gelingt es tatsächlich, Bilder im Kopf entstehen zu lassen, dies liegt auch sicher an der wirklichen guten deutschen Übersetzung von Usch Kiausch. Phantasievoll schafft Curran hier eine beklemmende Atmosphäre auf einer Erde, die einem als albtraumhaftes Abbild der unseren erscheint. Ein frischer und intelligenter Schreibstil begleiten den Leser von der ersten bis zur letzten Seite. Leider gelingt ihm dies nicht in allen Bereichen: Die mutierten Menschen und Tiere werden stellenweise besser beschrieben als so mancher Charakter um Nash und die Gruppe herum. Auch die Entwicklung der Charaktere lässt und da doch sehr zu wünschen übrig. So fragt man sich leider nur oft genug im Buch (so ging es jedenfalls mir) – Warum? Warum agieren die Personen genau so? Warum lässt Curran an einer Stelle (ich sage nur Hund…) die Hoffnung hochleben, um sie im nächsten Moment so krass wie nur möglich wieder zu zerstreuen? Warum? Wieso? Weshalb?… Was mir dennoch gut gefallen hat, war die vom Autor verwendente Ich-Perspektive. Obwohl Nash kein sehr tiefgründiger Charakter ist, so machte es doch neugierig, wie er die gelesenen Situationen bewertet.
Verseucht bietet zu Anfang ein buntes Gemenge an Szenen und Handlungen die mal mehr, mal weniger Sinn ergeben, sich aber insgesamt gut in den roten Faden einfädeln. Wie eingangs erwähnt, wäre es verkehrt, diesen Roman vorschnell beiseite zu legen, da er später in den Schwachpunkten: Beweggründe, emotionale Ebene und Charakterentwicklung durchaus punktet und diesen Level dann aufrecht erhält. Was einem angehnehmen Lesetempo ebenfalls zuträglich ist, ist die enorme Dichte an Action und Bewegung. Es reiht sich oft eine aktiongeladene Szene an die nächste und nur selten gönnt Curran seinen Figuren Zeit zum Verschnaufen. Dieses Tempo ist natürlich mit der Lebenserwartung der Protagonisten verknüpft. Wer sich hier zu schnell in eine Person um Rick verliebt, läuft Gefahr, durch ihr schnelles Ableben enttäuscht zu werden.
Fazit
Dieser Roman macht vieles richtig und manches leider auch falsch. Aber alles in allem ist Verseucht von Tim Curran eine Dystopie im klassischen Sinne und trifft auch noch den Nerv der Zeit. Kein MUSS aber auch keine Grabbeltischlektüre!









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