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Rezension zu Sven Böttchers Verschwörungsthriller Prophezeiung
Eine Buchbesprechung von Rob Randall
Angesichts der ganzen Maya-Kalender-2012-Weltuntergang-verschwörungsthriller ist mir dieses Jahr das Erscheinen eines Buches entgangen, dessen Titel zwar auf eine thematische Nähe zu mutmaßlichen Weltuntergangsvisionen südamerikanischen Kulturen vermuten lässt, der aber in Wirklichkeit damit überhaupt nichts zu tun hat: Sven Böttchers Roman Prophezeiung.
Die heraufziehende Katastrophe verkündet dementsprechend auch nicht irgendein hinter Panzerglas verstaubender Kritzel-Codex, sondern ein revolutionäres Computerprogramm, das allerdings ebenfalls mit zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen gesichert und allgemein vor der Öffentlichkeit geheim gehalten wird. Als die junge Protagonistin, ihres Zeichens Klimaforscherin, ihren neue Arbeitsstelle kennenlernt, stößt sie nicht nur auf das mysteriöse Programm, sondern auch auf dessen unheilvolle Voraussagen: Die nördlichen Teile Europas würden innerhalb der nächsten Wochen durch sintflutartige Regenfälle im Chaos versinken, während der Regen in den tropischen Regionen endgültig ausbleibe. Das Szenario, welches das Programm entwirft ist grauenhaft: Hunderte Millionen von Menschen sollen weltweit durch Fluten und Dürre sterben.
Bevor sie allerdings Näheres in Erfahrung bringen kann, wird ihre Eindringen in das Computersystem bemerkt: Sie selbst verliert daraufhin ihren Job und eine befreundete Journalistin, der sie sich anvertraut hat, ihr Leben. Gemeinsam mit dem Bruder der mutmaßlich Ermordeten macht sich die Heldin auf die Suche nach den Hintermännern bzw. Mördern – und daran, die Welt zu warnen; allerdings scheinen die rätselhaften Verfolger auch ihr immer auf den Fersen zu sein.
Sven Böttchers Romananfang ist ausgesprochen stark: Die Frage, ob die Prophezeiung – oder besser: Prognose des Klimaprogramms – verlässlich ist, nimmt den Leser einfach gefangen. Hierzu tragen die zahlreichen Details bei, mit denen Böttcher den Plot versieht: Das merkwürdige Verhalten der Funktionsträger, die hochabgesicherte Einrichtung zur Klimaforschung auf La Palma und deren seltsame Geschäftsbeziehungen; die offenen wissenschaftlichen Fragen – und nicht zuletzt der rätselhafte Mord (?). Zudem verliert Böttcher zu Beginn keine Zeit: Schnell entwickelt er nicht nur seine Figuren, sondern auch den Plot, der den Roman vor allem in der ersten Hälfte zu einem spannenden und auch durchaus glaubhaften Verschwörungsthriller macht.
Später schwindet dieser Eindruck jedoch leider zunehmend: Die mutmaßliche Erlöserfigur, an die sich die Protagonistin und ihr Beistand wenden, wirkt in seiner ärgerlichen Eitelkeit nicht nur stark überzeichnet , sondern auch wie die sich beschleunigende Gesamthandlung unwirklich. Die europäischen Regierungen, die sich sonst kaum in irgendeiner Frage einigen können, haben nun gerade nur auf diesen Mann gewartet – und statten ihn dementsprechend auch innerhalb weniger Stunden mit weitreichenden Befugnissen aus. Wenig später soll sogar schon die nukleare Uhr für die zweifelhaften Gegenmaßnahmen ticken: Die Sprengung eines Mördervulkans in Afrika mittels chinesischer Atombomben. Da steht der Leser den kommenden Ereignissen nahezu genauso ratlos gegenüber wie die Helden selbst.
Vielleicht hat Sven Böttcher dieses auch selbst bemerkt: Zumindest beglückt er den Leser zunehmend mit abenteuerhaften Episoden, die er dankenswerter Weise schon zu Beginn des Textes angelegt hat und die durchaus ihren Zweck erfüllen: Im versinkenden Hamburg müssen sich die Protagonisten z.B. nicht nur den Wassermassen stellen, sondern auch gegen Plünderer und afrikanische Piraten (!) kämpfen. Zudem baut er zum gleichen Zwecke einen zuvor nur angedeuteten zweiten Handlungsstrang um eine weitere Figur aus, sodass nun zwar die Perspektive beständig zu wechseln beginnt und somit der Eindruck eines einheitlichen Aufbaus und Konzeption schwindet, die bemerkbare Schwäche des ersten Handlungsstranges aber weitgehend mit dem zweiten aufgefangen werden kann – zumal die beiden eng ineinander verschränkt sind. Ob man nun aber ausgerechnet hier eine bizarre Hightech-Hippiekommune zum zentralen Ort der Handlung machen musste, dürfte – wie so vieles – Geschmackssache sein.
Fazit
Obwohl ab der Mitte des Romanes die Glaubwürdigkeit der Handlung nachlässt, ist Sven Böttcher mit einigen Kunstgriffen ein spannender Verschwörungsthriller gelungen, dessen 480 Seiten ich in Einem weggelesen habe. Angesichts der Schilderung apokalyptischer Szenen in den Straßen versinkender deutscher Großstädte, kann man für Prophezeiung sogar das Label Klimathriller, mit dem KiWi den Roman versehen hat, gelten lassen.









“Angesichts der ganzen Maya-Kalender-2012-Weltuntergang-verschwörungsthriller ist mir dieses Jahr das Erscheinen eines Buches entgangen, dessen Titel zwar auf eine thematische Nähe zu mutmaßlichen Weltuntergangsvisionen südamerikanischen Kulturen vermuten lässt, der aber in Wirklichkeit damit überhaupt nichts zu tun hat: Sven Böttchers Roman Prophezeiung.”
aha – das heisst, der Vorspann hat auch gar nichts mit dem Buch zu tun? ;D das hätte man auch kürzer sagen können
SCNR