Will McIntosh: Wie die Welt endet

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Soft Apocalypse: Rezension zu Will McIntoshs Wie die Welt endet

Eine Buchbesprechung von Friederike

McIntosh-WiedieWeltendetDarüber, wie die Welt einmal endet, wird viel spekuliert: Ein Dritter Weltkrieg, Alieninvasionen, Meteoriteneinschläge, Sonneneruptionen - die meisten Szenarien erscheinen mir sehr reißerisch und eher aus der Feder von Hollywood-Drehbuchschreibern. In Will McIntosh Erstlingswerk Wie die Welt endet dagegen geschieht der Weltuntergang nicht mit einem großen Knall, sondern mit dem langsamen, schleichenden Verfall der Menschheit; nicht umsonst lautet der Originaltitel dieses Buches “Soft Apocalypse”.

In nicht allzu ferner Zukunft ist Energie Mangelware, genau wie Nahrungsmittel und eigentlich alles, was man sonst noch so für ein bequemes Leben braucht. Während die Länder sich gegenseitig bekämpfen, um sich die letzten noch verbliebenen Ressourcen zu sichern, müssen die Menschen selbst zusehen, wo sie bleiben. So herrscht in den Städten das Recht des Stärkeren und Gewalt ist an der Tagesordnung.

Durch Jasper, der uns im Abstand von jeweils 1 bis 2 Jahren verschiedene Episoden aus seinem Leben erzählt, erfahren wir, wie das Leben in dieser neuen Weltordung abläuft. Er beginnt als obdachloser Landstreicher, der mit seiner Sippe von Ort zu Ort zieht und Energie gegen Lebensmittel tauscht. Beschimpfungen wie “Scheiß Zigeuner” oder Drohungen sind dabei an der Tagesordnung, Dabei sind eigentlich alle gebürtige Amerikaner und viele von ihnen sogar gebildete Akademiker, so auch Jasper. Doch dem stetig wachsenden Zustrom an illegalen Einwanderern und demsteigenden Hass auf die Ausländer und Obdachlosen kann die Regierung kaum etwas entgegensetzen.

Durch die Zeitsprünge erleben wir mit, wie sich die Situation von Jahr zu Jahr verschlechtert und die Menschheit scheinbar unaufhaltsam auf den Abgrund zutaumelt. Während all der vorüberziehenden Jahre hofft Jasper immer verzweifelter auf ein besseres Leben und darauf, endlich eine Frau zu treffen, die er wahrhaft lieben kann und die seinem Leben wieder etwas Sinn verleiht. Doch ist Liebe in Zeiten wie ihren überhaupt noch möglich?

Beurteilung

Will McIntosh konstruiert hier seine ganz eigene Version vom Weltuntergang, und die ist nichts für Zartbesaitete, denn es ist kein stilles und sauberes Sterben, das hier vonstatten geht. Menschen werden auf offener Straße ermordet im Streit um Nahrungsmittel, einen Schlafplatz oder einfach aus Wut. Seuchen, künstlich imLabor geschaffen, dezimieren die Bevölkerung. Und verschiedene Terrobewegungen, allen voran die durchgedrehten Jumpy-Jumps, ermorden willkürlich und wahllos Menschen, ohne ein bestimmtes Ziel. Oder setzen Hunden Bomben in den Bauch, um möglichst viel Chaos anzurichten. Die Superreichen verschanzen sich derweil in ihren noblen Stadtteilen und versuchen krampfhaft die Illusion aufrechtzuerhalten, dass alles in bester Ordnung ist.

Was genau alles auf der Welt passiert, erfährt man immer nur häppchenweise am Rande, so dass man kaum eine konkrete Vorstellung davon gewinnt, was genau zu den chaotischen Zuständen geführt hat. Mich hat McIntoshs Weltuntergangsszenario sehr gefesselt und nachdenklich gemacht, er erzählt konsequent und realistisch, wie die Menschen immer mehr die Zivilisiertheit hinter sich lassen. Trotz der zeitweise übertriebenen Brutalität fand ich es durchaus vorstellbar, dass die Menschen in dieser Situation genau so handeln würden.

Das Buch hat bei mir oft die Frage aufgeworfen, wie ich selbst handeln würde, wenn ich in Jaspers Situation wäre. Würde ich die Hoffnung verlieren? Oder einfach immer weitermachen in der Hoffnung auf Besserung? Diese Fragen zogen sich durch das ganze Buch und bildeten quasi den Kern des ganzen Szenarios: Wird das Leben je wieder besser werden? Gibt es Rettung? Oder ist die Menschheit tatsächlich dem Untergang geweiht?

Ein Kommentar zu: Will McIntosh: Wie die Welt endet

  1. Ich fand das Buch unglaublich fesselnd und verstörend. Ein Intellektueller auf der Suche nach der großen Liebe und in jedem Kapitel eine Einbruch von grausamer und sinnloser Gewalt.

    Ich kann nur zum bisher nur im englischen Original erschienenen Roman “Love Minus Eighty” vom selben Autor raten. Es greift das Thema des Speed-Dating aus diesem Roman auf, führt es aber zu einer verstörenden, aber in sich logischen und folgerichtigen Zuspitzung. Als Hintergrund die selbe Apokalypse, aber die Geschichten von der Liebe aber noch verstörender, aber fast noch fesselnder.

    Rezension bei derStandard.at: http://derstandard.at/1381372101052/Rundschau-Das-war-Jahr-1-nach-dem-Weltuntergang?_slideNumber=18&_seite=

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