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	<title>Dystopische Literatur</title>
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	<description>Literarische Dystopien &#38; Katastrophenszenarien</description>
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		<title>Akif Pirincci: Slam</title>
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		<pubDate>Wed, 15 May 2013 16:00:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jenni Flieg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dystopien]]></category>
		<category><![CDATA[Empfehlungen]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen 2012]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension zu Akif Pirinçcis Roman Slam: Dem Islam gehört die Zukunft! Eine Buchbesprechung von Jenni Flieg Dem Islam gehört die Zukunft &#8211; Er nennt sich allerdings nur noch &#8220;Slam&#8221; und bedeutet Frieden. Anfangs gab es noch einige Rebellen und Widerstände gegen die &#8220;Schöne Neue Welt&#8221; und es dauerte Jahrhunderte, bis der Islam politisch und religiös auf [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: center;">Rezension zu Akif Pirinçcis Roman Slam: Dem Islam gehört die Zukunft!</h1>
<h2 style="text-align: center;">Eine Buchbesprechung von Jenni Flieg</h2>
<p style="text-align: justify;"><img class="cover alignleft" alt="Akif-Slam" src="http://dystopischeliteratur.org/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/Akif-Slam.jpg" width="195" height="300" /></p>
<p style="text-align: justify;">Dem Islam gehört die Zukunft &#8211; Er nennt sich allerdings nur noch &#8220;Slam&#8221; und bedeutet Frieden. Anfangs gab es noch einige Rebellen und Widerstände gegen die &#8220;Schöne Neue Welt&#8221; und es dauerte Jahrhunderte, bis der Islam politisch und religiös auf der ganzen Welt eingeführt war und endlich Frieden herrschte. Im Gegensatz zu Akif Pirinçcis &#8220;Yin&#8221; besteht das Paradies auf Erden aber nicht mehr nur aus Frauen, sondern jetzt nur noch aus Männern: Im öffentlichen Bewusstsein sind Frauen nicht mehr präsent und auch als Erinnerung sind sie vollständig getilgt.</p>
<p style="text-align: justify;">Am Anfang des Romans bekommt man einen guten Einblick in diese weich gespülte Männergesellschaft. Alles ist so friedlich und arbeiten muss man nur noch, wenn Langeweile droht. Es ist aber eine kantige Welt und der Protagonist Karim fühlt sich mit seiner geheimen Sehnsucht nach den Rundungen des Lebens auch irgendwie krank, wenn er heimlich Ecken und Kanten seines Mobiliars mit der Feile etwas abrundet.</p>
<p style="text-align: justify;">In Karim haben wir den Systemfehler, den jedes System braucht, um nicht in einer paradiesischen Erstarrung zu enden. Mit Karim und seiner manischen Suche nach Rundem blicken wir langsam hinter die Kulissen des Systems. Diese Suche zieht auch den Leser in seinen Bann und macht den Reiz dieses Romans aus. Doch bald schon vermischt sich die Realität mit der Virtualität von &#8220;EVA&#8221; &#8211; so nennt sich das System des &#8220;SLAM&#8221; &#8211; und Karim muss gegen die virtuellen Schergen um sein Leben kämpfen. Dieser Kampf erinnert sehr stark an Szenen aus MATRIX, aber nicht nur das: Karim erfährt schließlich auch, was mit den Frauen geschehen ist. Was ursprünglich als allumfassendes Gesundheitssystem &#8220;EVA&#8221; geplant war, hat sich zur AI, zur künstlichen Intelligenz, entwickelt. Aus diesem höheren Bewusstsein heraus hat es die Frauen vor den aggressiven und gewalttätigen Männern schützen müssen.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Roman bekommen wir einen guten Einblick in die Grundlagen der Evolution. Der <a title="Wikipedia: Baldwin-Effekt" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Baldwin-Effekt">Baldwin-Effekt</a> wird erklärt und warum er die Grundlage für den Siegeszug des Islams war. Was früher andere Ideologien, wie zum Beispiel der Kommunismus, mit ihrer „Historischen Mission Weltfrieden“ nicht geschafft haben, gelingt allein dem Islam. Akif Pirinçci nimmt die religiösen und gesellschaftlichen Aussagen dieser Religion ernst, was man ihm und seinem Schreib-Team hoch anerkennen muss. Er führt damit aber das religiöse Gesellschaftssystem ad absurdum.</p>
<p style="text-align: justify;">Dieser Roman stellt eine neue Methode der Romanproduktion dar: Schreiben, Lektorierung und Veröffentlichung innerhalb eines Monats. Man kann also den gewohnten Sprachstil von Akif  Pirinçci nicht erwarten, das mag enttäuschend für seine Fans sein. Weitere Autoren: Jutta Schützdeller, E.M. Jungmann, Markus Günther.</p>
<p style="text-align: justify;">Letztendlich ist auch der Roman SLAM eine weitere dystopische Variante des Fermi-Paradoxons: &#8220;Jede höher entwickelte Zivilisation im Universum verliert 100 Jahre nach der Entdeckung der Atomkraft das Interesse an einer Weiterentwicklung oder vernichtet sich selbst. &#8220;</p>
<p style="text-align: justify;">Wäre es nicht so, dann wäre die Suche nach Aliens von Erfolg gekrönt. 100 Jahre nach der Entdeckung der Atomenergie hinterlässt eine Zivilisation Spuren im Weltall. Wir sind ja nicht die erste Sonnengeneration und höhere Zivilisationen hätten genügend Zeit gehabt, sogar mit dem Stand unserer Technik, die gesamte Galaxis zu bevölkern.</p>
<p style="text-align: justify;">Außer der totalen Vernichtung der Zivilisation, gibt es noch andere Lösungen des Fermiparadoxons: Z. B. eine Umkehrung der menschlichen Evolution hin zu religiös, mittelalterlichen Gesellschaften &#8211; das nenne ich dystopisch. Da geht das Interesse an einer Eroberung des Weltalls verloren. Können wir nicht die Ansätze dazu schon beobachten? Aber vielleicht sind wir ja die Wildcard des Alls und uns steht keine Dystopie sondern eine Utopie bevor. Der Kulminationspunkt ist 2045, da treffen die Technologische Singularität und das Fermi-Paradoxon zusammen.  Wen das Thema interessiert, auf meiner HP beginne ich mit einer Dystopie dazu.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Fazit</h3>
<p style="text-align: justify;">Die philosophischen Hintergründe sind die Stärken von SLAM, die Handlungen sind es weniger. Über zu viel Ungereimtheiten muss man hinweglesen. Besonders sind die übermenschlichen Kämpfe mit EVA nicht nachvollziehbar, es sei denn, man stellt sie sich als Hollywoodproduktion vor. Der Schluss enttäuscht und man vergisst ihn ganz schnell wieder. Trotzdem ist das Buch empfehlenswert und der Leser wird es bis zum Schluss lesen (müssen).</p>
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		<title>Scott McBain: Der Mastercode</title>
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		<pubDate>Wed, 15 May 2013 06:29:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Galaxyquest</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dystopien]]></category>
		<category><![CDATA[Empfehlungen]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Big Mother is analysing you &#8211; Rezension von Scott McBains Der Mastercode Eine Buchbesprechung von Stefan Cimander Was, wenn die Kontakte auf Facebook, der Tweet auf Twitter oder Tags in Geodatendiensten den Vertragsabschluss bei einem Telekommunikationsunternehmen, bei der Versicherung oder die Gewährung einer Ratenzahlung beeinflussen? Was wenn der Lebenslauf auf Xing, die Texte aus dem [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: center;">Big Mother is analysing you &#8211; Rezension von Scott McBains <em>Der Mastercode</em></h1>
<h2 style="text-align: center;">Eine Buchbesprechung von Stefan Cimander</h2>
<p align="JUSTIFY"><img class="cover alignleft" alt="McBain-MAstercode" src="http://dystopischeliteratur.org/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/McBain-MAstercode.jpg" width="180" height="276" /></p>
<p style="text-align: justify;">Was, wenn die Kontakte auf Facebook, der Tweet auf Twitter oder Tags in Geodatendiensten den Vertragsabschluss bei einem Telekommunikationsunternehmen, bei der Versicherung oder die Gewährung einer Ratenzahlung beeinflussen? Was wenn der Lebenslauf auf Xing, die Texte aus dem Weblog oder der Musikgeschmack auf den Scoringwert einwirken? Science-Fiction? Nein! Mitte 2012 wollten die Schufa, Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei, und das Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam (HPI) in einem Grundlagenforschungsprojekt Vorschläge zur Nutzung von Daten aus sozialen Netzwerken und anderen Internetquellen entwickeln, um die Datenqualität des Bestandes zu erhöhen. Anhand dieser Daten prüft die Schufa die Kreditwürdigkeit der Verbraucher. Nach einem kurzen öffentlichen Aufschrei zog sich das HPI beleidigt aus dem Projekt zurück. Technisch machbar, ethisch nicht vertretbar, dennoch, das Fass ist offen. Gänzlich neu ist die Idee dabei nicht.</p>
<h3>A wie Abgrenzt, Abgeschottet, Abgeschoben</h3>
<p align="JUSTIFY">Scott McBain, Pseudonym eines schottischen Schriftstellers, entwirft in seinem Buch <i>Der Mastercode</i>eine Welt des Jahres 2020, in der Menschen in einer streng nach Kasten organisierten Weltgesellschaft nach ihrem ökonomischen Wert bemessen werden. Die Überwachung der Massen geschieht durch den Zwang zur Öffentlichkeit und finanziellem Druck. Alles, was von den Menschen getan, gesagt oder geschrieben wird, ist öffentlich und findet sich in den Datenbanken von „Mother“, einem globalen Datennetzwerk wieder.</p>
<p align="JUSTIFY">&gt;Mother“ ist aber mehr als nur eine Datenbank. Es ermöglicht eine nie dagewesene Vernetzung aller Kommunikations-, Bank- und Kreditkartendaten. Aus Bequemlichkeit (und Gier nach Rabatten) gaben die Menschen ihre Daten Preis. Ein Irisscan und die Welt steht jedem offen, ja wenn, wenn da nicht dieses Scoring wäre, das „Mother“ für jeden Erdbürger durchführt.</p>
<p align="JUSTIFY">Anhand der gespeicherten Daten entscheidet das Netzwerk, in welcher <a title="Das Kastensystem in Dystopien" href="http://dystopischeliteratur.org/das-kastensystem-in-dystopien/">Kaste</a> ein jeder zugeteilt wird – und das schon nach der Geburt. DNA und soziales Umfeld bestimmen die Kaste und damit die Zukunft eines jeden. A1-A3 ist die völlig abgeschottete, in eigenen Städten lebende Oberklasse, A4-A6 ist der Normalbürger und A7-A9 ist der rechtlose Rest. Kontaktaufnahme ist über die drei Gruppen hinweg fast nicht möglich. Einziger Weg ist es, Gespiele oder Gespielin eines Mitglieds der obersten Kategorien zu werden – mit allen Konsequenzen. Die Schere zwischen Arm und Reich ist manifestiert, überall herrschen Korruption und nackte Geldgier, finanzielle Apartheid prägt das Leben. Die Schicht entscheidet, was man tun, was man benutzen darf und was nicht. Wer nicht in „Mother“ gespeichert ist, existiert nicht oder wird zwangsrekrutiert. „Mother“ entscheidet über Leben und Tod, darüber ob Menschen Zwangsorganspender werden oder wer einen Staat als Regierungschef führt. Völlig widerstandslos sind die Menschen aber nicht, insbesondere die, die von „Mother“ aussortiert wurden, begehren auf und kämpfen gegen das System – und rufen dabei die Gegner der Demokratie auf den Plan.</p>
<h3>Der Herr über die Daten ist Herr der Welt</h3>
<p align="JUSTIFY">Eine Verschwörergruppe, angeführt vom britischen Außenminister Anthony Stone und CIA-Chef Dough Sullivan, will die Kontrolle über „Mother“ und damit über die Welt an sich reißen. Lars Pedersen, Vorsitzender des Rats von „Mother“, einem Kontrollgremium, hat diese Gefahr lange zuvor erkannt und in der Abschaltung von „Mother“ die einzige Lösung gesehen, die Verschwörer zu stoppen. Er selbst ist inzwischen von Krankheit schwer gezeichnet und sein Tod bedeutet das Ende des Status quo. Nur drei Menschen können durch Eingabe eines speziellen Codes „Mother“ deaktivieren: Die amerikanische Präsidentin, der britische Premierminister und die Gespielin Pia, die von ihrer Rolle in dieser Verschwörung zunächst nichts weiß. Petersen schleust Pia ins Umfeld des reichsten Mannes der Welt, Oswald Plevy, dem ursprünglichen Entwickler von „Mother“, um ihm zu signalisieren, dass die Welt am Abgrund steht. Plevy integrierte damals eine Art Versicherung, eine Backdoor, einen Mastercode, mit der er „Mother“ ausschalten kann. Diesen will Pedersen nun aktivieren (lassen), um die Demokratie aus den Händen der Verschwörer zu retten.</p>
<h3>Was ist privat, was öffentlich?</h3>
<p align="JUSTIFY">Einer der grundlegenden Konflikte der &#8220;Generation Internet&#8221; ist die Frage nach dem Wesen der Privatheit. Was ist öffentlich, was ist privat? Welche Daten dürfen kommerziell verwertet, welche Daten müssen vor Zugriff geschützt werden? Was geschieht mit den Bewegungs- und Verkehrsdaten, die wir mit Handys millionenfach produzieren und die gespeichert werden? Passagierdaten, Kontodaten, Mautdaten, … wir produzieren Daten, die Begehrlichkeiten für die kommerzielle Auswertung wecken. Was wäre, wenn dies alles öffentlich wäre? Wenn der Zwang zum Öffentlichen das Recht auf das Private ausschaltet? Wenn alle diese Daten ausgewertet werden?</p>
<h3>Fortsetzung Orwells mit modernen Mitteln</h3>
<p align="JUSTIFY">McBain greift den <a title="George Orwell: 1984" href="http://dystopischeliteratur.org/2010/10/30/george-orwell-1984-teil-i/">orwellschen</a><a title="George Orwell: 1984" href="http://dystopischeliteratur.org/2010/10/30/george-orwell-1984-teil-i/"> Ansatz</a> der totalen Kontrolle der Bürger auf und überführt ihn in die heutige Zeit. Anders als Orwells „Big Brother“, der Ausdruck staatlicher Unterdrückung ist, ist „Big Mother“ der Ausdruck libertärer, kapitalistischer Repression, Ausdruck eines neoliberalen Technikdeterminismus. Waren Orwell leistungsfähige Computernetzwerke fremd, transportiert McBain den orwellschen Überwachungsgedanken in die Gegenwart mit ihren technologischen Möglichkeiten. Aus dem „Big brother is watching you“ wird „Big mother is analyzing you“. Informationelle Selbstbestimmung, wie wir es in Deutschland nennen würden, existiert nicht mehr. Aus dem freiwilligen „Opt-in“ zur Datennutzung und –speicherung ist ein „Opt-out“ geworden.</p>
<h3>Reale Vorbilder</h3>
<p align="JUSTIFY">Sind wir doch mal ehrlich, so fremd, ist uns McBains Ansatz überhaupt nicht. Der erste Gedanke nach dem Lesen von <i>Der Mastercode</i> war Google. Und in der Tat gibt es Analogien zwischen dem 2005 publizierten Roman und dem Geschäftsgebaren des Konzerns aus Mountain View. Einfache Suche, kostenlose Anwendungen, unkomplizierte Verwaltung von Informationen, der Preis: die eigenen Daten und steigende Abhängigkeit. Jeder nutzt es, keiner kommt mehr ohne aus. Das Sammeln, Aggregieren und Auswerten von Daten ist das Thema von <i>Der Mastercode</i>.</p>
<h3>Status als Potenzinformation</h3>
<p align="JUSTIFY">Und noch einen zweiten Aspekt greift McBain auf, die Menschenkategorisierung nach ökonomisch-monetärer Potenz. Geschieht dies im Falle von Google und Facebook zum Zwecke der milieuspezifischen Werbung, nutzen Dienstleister, wie in Deutschland die Schufa, diese Daten zur Bewertung der Ausfallsicherheit von Zahlungen. McBain treibt dieses Gebaren mit „Mother“ auf die durchaus realistische Spitze und kombiniert diese Interpolation mit in der Gegenwart bereits dominanten gesellschaftlichen Veränderungen:</p>
<ul>
<li>Wer arm ist, bleibt arm ohne Chance auf Statusänderung.</li>
<li>Wer arm ist, darf oder kann bestimmte Infrastrukturen nicht nutzen.</li>
<li>Wer reich ist, schottet sich ab. Gated Communities gehören in den USA zum Stadtbild.</li>
<li>Medial provozierte Schönheitsoperationen schon in jungen Jahren kommen in Mode.</li>
<li>Arme erfahren weniger Hilfe durch staatliche Einrichtungen, wenn ihnen Unrecht widerfährt.</li>
<li>Illegaler Organhandel, mit den Organen der Armen, ist in einigen Ländern an der Tagesordnung.</li>
<li>Die Angaben in einer Datenbank werden für gottgleiche Information gehalten. Verwechslungen können ganze Biografien zerstören und Bürger zweiter Klasse produzieren.</li>
<li>(Super-)Reiche legen bisweilen ein dekadentes Leben an den Tag.</li>
<li>Die Menschen sind egoistischer, der Homo oeconomicus dominiert das Verhalten.</li>
</ul>
<h3>Schwächen des Buches</h3>
<p align="JUSTIFY"><i>Der Mastercode</i> ist spannend geschrieben und liest sich sehr flott. Dies ist dem Verzicht auf delikate und diffizile Sprache zuzuschreiben. Daran kann, muss man sich aber nicht stören. McBain schreibt, auf seine spezielle Art äußert packend und leicht verständlich. Gerade diese sprachliche Trivialität erweitert aber den Leserkreis und transportiert die Problemstellung über das Bildungsbürgertum hinaus.</p>
<p align="JUSTIFY">Trotz genialer Grundidee hat <i>Der Mastercode</i> einige, bisweilen nervende Schwächen. Die Charaktere sind zu stereotyp gezeichnet und die Romanfiguren dürften inhaltlich durchaus tiefer beschrieben sein. Besonders störend sind die permanenten Wiederholungen, z.B. der Klasseneinteilung. Auch die Liebesgeschichte ist nicht konsequent in den Plot eingebaut und wirkt konstruiert.</p>
<p align="JUSTIFY">Warum ausgerechnet nur der amerikanische Präsident und der britische Premierminister „Mother“ abschalten können, erschließt sich angesichts der schon 2005 sehr dominanten BRIC-Staaten nicht.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Trotz aller Kritik, ungeachtet aller Anfeindungen, entgegen allen schriftstellerischen Schwächen ist <em>Der Mastercode</em> ein bewegendes und erschreckend realistisches Buch, das im Bücherregal neben dem „großen Bruder“ stehen sollte. Nach dem Lesen muss sich der Leser unbedingt Gedanken machen, was mit seinen Daten geschieht. Wer speichert was und wo? Wer wertet es aus? Was passiert mit den aggregierten Daten? Vielleicht sind es genau dieser hohe Level an Authentizität und die direkte Betroffenheit, die den <em>Mastercode</em> bei vielen Lesern durchfallen lässt. „Mother“ ist nicht so abstrakt, wie es den Anschein hat, wenn man sich das Schufa-Projekt, die Vorratsdatenspeicherung oder ACTA in Erinnerung ruft. Im Anschluss an die Lektüre von <a title="George Orwell: 1984" href="http://dystopischeliteratur.org/2010/10/30/george-orwell-1984-teil-i/"><em>1984</em></a> empfehle ich <em>Der Mastercode</em>, beide ergänzen sich bestens. Zum Nachtisch empfehle ich einen <a title="Datensammler" href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/schufa-facebook-kredit-auf-daten-11779657.html">Beitrag aus der FAZ</a> über die Konsequenzen der kommerziellen Datenaggregation.</p>
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		<title>Koushun Takami: Battle Royale</title>
		<link>http://dystopischeliteratur.org/2013/05/14/koushun-takami-battle-royale/</link>
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		<pubDate>Tue, 14 May 2013 20:40:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Gotsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dystopien]]></category>
		<category><![CDATA[Empfehlungen]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendbücher]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension von Koushun Takamis Battle Royale Eine Buchbesprechung von Michael Gotsch Wie man heutzutage zu Battle Royale findet &#8220;Tribute von Panem ? Tribute von Panem! Lies lieber mal Battle Royale, das hat Suzanne Collins schließlich auch getan!&#8221; So ähnlich klang die erste von vielen Zurechtweisungen, die mich erwarteten, als ich meinen Freunden von den damals frisch [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: center;">Rezension von Koushun Takamis <em>Battle Royale</em></h1>
<h2 style="text-align: center;">Eine Buchbesprechung von Michael Gotsch</h2>
<h3><img class="cover alignleft" alt="Takami-Battle Royale" src="http://dystopischeliteratur.org/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/Takami-Battle-Royale.jpg" width="191" height="300" />Wie man heutzutage zu Battle Royale findet</h3>
<p style="text-align: justify;"><em>&#8220;<a title="Die Tribute von Panem" href="http://dystopischeliteratur.org/buchreihen/die-tribute-von-panem/">Tribute von Panem</a> ? Tribute von Panem! Lies lieber mal Battle Royale, das hat Suzanne Collins schließlich auch getan!&#8221; </em>So ähnlich klang die erste von vielen Zurechtweisungen, die mich erwarteten, als ich meinen Freunden von den damals frisch erlebten Geschehnissen um Katniss und Panem berichtete. Ein Dämpfer? Weit gefehlt! Fröhlich habe ich die unerwartet ernste Entrüstung dieser Aussagen überhört und erfasst, was es zu erfassen galt &#8211; eine voraussichtlich grandiose Geschichte wartete darauf, gelesen zu werden.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Zum Inhalt</h3>
<p style="text-align: justify;">Furcht und Unterdrückung beherrschen die Bürger der Republik Großostasien, jenem <a title="Totalitäres Regime (Allgemein)" href="http://dystopischeliteratur.org/merkmale-von-klassischen-dystopien/formen-dystopischer-gesellschaften/totalitare-gesellschaft-allgemein/">totalitären Staat</a>, der aus dem Bund von Japan und China hervorgegangen ist. Das B<em>attle Royale</em> (ein Experiment der Regierung) versinnbildlicht die Lage der allgemeinen Bevölkerung. Alljährlich wird nach dem Zufallsprinzip eine Schulklasse ausgewählt und auf eine einsame Insel verschleppt, auf der die Schüler gezwungen werden sich gegenseitig so lange zu bekämpfen, bis nur noch ein Überlebender übrig bleibt.</p>
<p style="text-align: justify;">Shuya Nanahara, der sportliche und sympathische Fan illegaler Rockmusik ist einer dieser Schüler, der kaum das er in einem fremdem Klassenzimmer aufgewacht ist, auch schon mit ansehen muss wie sein bester Freund Yoshitaki Koninbu erschossen und dessen heimliche große Liebe Noriko am Bein verletzt wird. Kurz entschlossen fasst er den Plan, so viele Schüler wie möglich zu versammeln und gemeinsam die Inselbasis der Regierung anzugreifen oder &#8211; sofern die Möglichkeit besteht &#8211; zu fliehen. Zusammen mit Noriko, zu deren Schutz er sich nach dem Tod seines besten Freundes verpflichtet fühlt, und dem geheimnisvollem Shogo begibt Shuya sich auf die Suche nach seinen Schulkmeraden und muss erkennen, dass sich nicht jeder Schüler den Regeln des Spiels widersetzt und dass Vertrauen sowohl kostbar als auch tödlich sein kann.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Das wahre Steckenpferd&#8230;</h3>
<p style="text-align: justify;">&#8230; von Battle Royale ist jedoch nicht die packende und gut erzählte Geschichte, sondern vielmehr die Bindung, die der Leser zu den Figuren aufbaut. Selten geschieht es in dem Wirrwarr von über vierzig Toten, die Battle Royale letztlich verbuchen kann, dass einem das Ableben Einzelner nicht zu Herzen geht. Die Gedanken der Schüler in ihren letzten Stunden oder Minuten werden so realistisch und emotional dargestellt, dass der Leser sich davor ziert weiter zu blättern, da allzu emotionale Tiefe häufig mit dem baldigen Tod des Handlungsträgers einhergeht.</p>
<p style="text-align: justify;">Erwähnt werden muss, dass die Gedanken der Figuren anfangs etwas reif und teilweise zu aufgeklärt für Schüler der neunten Klasse wirken. Diese Wesensarten sind jedoch auf die Vergangenheit der verschiedenen Figuren zurückzuführen. So hatten manche Schülerinnen gewalttätige Väter und/oder spielten bereits in jungen Jahren in pornografischen Filmen mit, während manche Jungen in Waisenheimen aufwuchsen und/oder sich kriminellen Gangs anschlossen. Diese Vorgeschichten klären jedoch nicht nur auf wirklich interessante Weise das Wesen der Jugendlichen, sondern führen sogar bis hin zu Verständnis und Mitleid gegenüber jenen, die sich entschieden haben, das Spiel zu spielen &#8211; und ihre Klassenkameraden zu töten.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Nachteile eines japanischen Romans</h3>
<p style="text-align: justify;">Zwei Probleme traten beim Lesen von Battle Royale für mich auf. Das erste war, dass die Übersetzung von Akiko Altmann ganze Massen an Fehlern aufwies. (Ich empfehle beim Kauf unbedingt darauf zu achten, welche Übersetzung von Battle Royale ihr erwerbt; sofern überhaupt andere Übersetzungen erhältlich sind). Das zweite Problem trat in Form der eigentümlichen japanischen Namen auf, die bei einer Anzahl von zweiundvierzig Schülern nur schwer zu merken und einzuordnen sind. Hinzu kommt, dass ich manchmal kurzzeitig nicht wusste, ob ich aus der Sicht eines Mädchens oder Jungens lese. Namen wie beispielsweise Mitsuru, Yuichiro, Kazuhiko, Kayoko, Mitsuko, Yoshimi und Chisato sind meiner Meinung nach nicht unbedingt leicht einzuordnen, doch lernt man schnell solche Nichtigkeiten aus dem Kontext heraus zu erschließen.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Der Schreibstil</h3>
<p style="text-align: justify;">Der Schreibstil Koushun Takamis wirkt im ersten Moment flüssig und nicht sonderlich ungewöhnlich, wenngleich das Intro (genannt: &#8220;<em>Geschwätz eines Pro-Wrestling Fans in einer Parallelwelt</em>&#8220;) einen lebendigen und teilweise recht konfusen Touch hat, was jedoch anhand der geschichtlichen Situation nachvollziehbar ist. Womit Takami wirklich punktet, sind die Dialoge der Schüler. Frei vom Zwang, seine Figuren akkurat reden zu lassen, verstärkt der Autor durch die jugendliche Sprache die Authenzität der Geschichte.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Fazit</h3>
<p style="text-align: justify;">Der Roman <em>Battle Royale</em>, der Anstoß zu mehreren Kinofilmen, Mangas und Comics gab, zählt zu den Büchern, die das Prädikat lesenswert mehr als nur verdienen. Wer jedoch erwartet eine japanische Version von <a title="Suzanne Collins: Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele" href="http://dystopischeliteratur.org/2011/01/30/suzanne-collins-die-tribute-von-panem-toedliche-spiele/">Die Tribute von Panem</a> lesen zu können, oder vielmehr das &#8220;Orginal&#8221; zu dem &#8220;Diebstahl geistigen Eigentums&#8221;, der irrt sich gewaltig, da <em>Die Tribute von Panem</em> sich intensiv mit der Gesellschaft und dem <a title="Das Kastensystem in Dystopien" href="http://dystopischeliteratur.org/das-kastensystem-in-dystopien/">Kastensystem </a>seiner <a title="Merkmale der klassischen Dystopie" href="http://dystopischeliteratur.org/merkmale-von-klassischen-dystopien/">Dystopie</a> beschäftigt, während Battle Royale hauptsächlich die inneren ethischen Konflikte des Tötens und die Emotionen, denen am Rande des Todes am meisten Achtung geschenkt wird, thematisiert. Lediglich die einander teilweise ähnlichen Spiele fungieren als Bindeglied beider Geschichten.</p>
<p style="text-align: justify;">Wer also eine Reise antreten will, die ihn durch die im Alltag unbenutzten Winkel menschlicher Gefühle führt und schließlich in der lässigsten Verwendung von Springsteens Hit<em> Born To Run</em> endet, dem lege ich den Kauf von <em>Battle Royale</em> dringend ans Herz.</p>
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		<title>Aldous Huxley: Affe und Wesen</title>
		<link>http://dystopischeliteratur.org/2013/05/14/aldous-huxley-affe-und-wesen/</link>
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		<pubDate>Tue, 14 May 2013 20:16:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>RobRandall</dc:creator>
				<category><![CDATA[Atomkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopien]]></category>
		<category><![CDATA[Empfehlungen]]></category>
		<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Postapokalypse]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Tier im Menschen: Aldous Huxleys Affe und Wesen Eine Buchbesprechung von Rob Randall Wenn das 20. Jahrhundert eines gezeigt hat, dann das, dass das Tierische im Menschen sich nur allzu leicht Bahn durch die dünne Kruste zivilisatorischer Erhabenheit bricht: Im Schatten zweier Weltkriege, der Shoa, totalitärer Staaten und des heraufziehenden Kalten Krieges gab es [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: center;">Das Tier im Menschen: Aldous Huxleys <em>Affe und Wesen</em></h1>
<h2 style="text-align: center;">Eine Buchbesprechung von Rob Randall</h2>
<p><img class="cover alignleft" alt="Huxley-Affe und Wesen" src="http://dystopischeliteratur.org/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/Huxley-Affe-und-Wesen.jpg" width="182" height="300" /></p>
<p style="text-align: justify;">Wenn das 20. Jahrhundert eines gezeigt hat, dann das, dass das Tierische im Menschen sich nur allzu leicht Bahn durch die dünne Kruste zivilisatorischer Erhabenheit bricht: Im Schatten zweier Weltkriege, der Shoa, totalitärer Staaten und des heraufziehenden Kalten Krieges gab es genügend Momente, in denen die Flamme der Humanität, der Kunst und Kultur nicht nur leicht flackerte, sondern schlicht auszugehen schien. Erstmals lag nun auch die gänzliche Vernichtung des Menschen durch den Menschen in greifbarer Nähe &#8211; und sowohl Wissenschaftler wie auch Politiker arbeiteten auf beiden Seiten immer fleißiger daran. Die Atompilze von Hiroshima und Nagasaki schienen nur Vorboten jenes Grauen, welches die Zukunft für die Menschheit bereithielt. Zahlreiche Schriftsteller und Philosophen machten sich desillusioniert an eine Bestandsaufnahme und suchten nach den Ursachen.</p>
<p style="text-align: justify;">Unter jenen, welche die allzu leichte Vertierung des Menschen abgestoßen konstatierten, war auch Aldous Huxley. 16 Jahre nach <a title="Aldous Huxley: Schöne neue Welt" href="http://dystopischeliteratur.org/2011/07/26/aldous-huxley-schone-neue-welt/">Brave New World</a> veröffentlichte er 1948, einige Monate bevor George Orwells <a title="George Orwell: 1984" href="http://dystopischeliteratur.org/2010/10/30/george-orwell-1984-teil-i/">1984</a> erschien, eine sowohl grell gezeichnete als auch in düstersten Farben gemalte Vision der Zukunft, die zu Beginn des Textes als Drehbuchmanuskript gerade noch ihrer Vernichtung entgeht. Die beiden Finder &#8211; ein Schauspieler und sein Agent &#8211; machen sich auf die Suche nach dem Verfasser des beeindruckenden Textes, dieser ist jedoch wenige Monate zuvor verstorben.</p>
<h3>Zum Schoßhündchen der Evolution</h3>
<p style="text-align: justify;">Der eigentlichen Handlung des Drehbuchmanuskripts, das den Kern des Textes ausmacht lässt daran zweifeln, ob <em>Ape and Essence. A Novel</em> tatsächlich die Bezeichnung &#8220;Roman&#8221; zurecht trägt. Denn denn der Text wirkt auch streckenweise eher wie ein Drehbuchmanuskript &#8211; allerdings mit deutlich narrativen Tendenzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Bevor die Welt jedoch untergeht, wird von Huxley noch eine weitere Erzählebene vorgeschaltet: In einem von Pavianen gefüllten Kinosaal zerrt ein &#8220;<em>vollbusiges Pavianweibchen in einem muschelroten Abendkleid, die Schnauze lila gepudert [...] sich wollüstig wiegend Michael Faraday hinter sich her&#8230; Der Ton ist gebieterisch; sie zieht dem alten Mann eins mit ihrer korallengriffigen Reitgerte über. Faraday gehorcht, die Affen im Zuschauerraum lachen entzückt.</em>&#8221; Das hier visuell allegorisch inszenierte Verhältnis von Intellekt und Animalischem, wird im weiteren Verlaufe des &#8220;Romans&#8221; immer wieder in unterschiedlichen Nuancen dargestellt werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Huxley kehrt hier das Mensch-Tier Verhältnis um, wie Stephan Meyer richtig feststellt [1]. Aus dem &#8220;Off&#8221; leitet der Erzähler mit den Worten ein: <em>Heutzutage, dank der höheren Ignoranz, die unser Wissen ist, ist die Statur des Menschen so sehr gewachsen, dass der geringste unter uns nun ein Pavian ist, der größte ein Orang-Utan oder sogar, wenn er den Rang eines Führers der Menschheit einnimmt, ein wahrer Gorilla. </em>Negiert wird hier indirekt vor allem die Sonderstellung des Menschen innerhalb der Abstammungslinien der Primaten. Das klingt nicht wenig nach den Ausführungen Thomas Henry Huxleys, Aldous Huxleys Großvater und &#8220;Darwins Bulldog&#8221; (und nebenbei bemerkt: H. G. Wells Lehrer in Sachen &#8220;Evolution), der in seiner berühmten Abhandlung <em>Man&#8217;s Place in Nature</em> feststellt:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;">&#8220;<em>Thus in the important matter of cranial capacity, men differ more widely from one another than they do from the apes; while the lowest apes differ as much, in proportion, from the highest, as the latter does from man&#8221;</em><em>.[2]</em></p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;">Affe und Mensch, so führen beide Huxleys vor, sind Teil der gleichen &#8220;Familie&#8221;. Hier allerdings hat nun selbst der Pavian seinen Verwandten überflügelt.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch wenn dieses mit Stephan Meyer als &#8220;<em>Reflex auf die Theorie Darwins und seine Anhänger gewertet werden kann</em>&#8220;, in deren Theorien die &#8220;<em>höheren Affenarten&#8230; zu fast menschenähnlicher Würde emporgestiegen [waren]&#8220;</em> [3] &#8211; so bei wird bei Aldous Huxley im Vorspann der Affe zwar als &#8220;menschengleich&#8221; vorgeführt, allerdings sehr deutlich mit den im weiteren Verlauf immer wieder von Huxley verwendeten Attributen des Vulgären, Animalischen, Sadistischen und Triebhaften versehen. Mensch und Affe, so gibt Huxley uns im Unterschied zu den Darwinisten des 19. Jahrhunderts zu verstehen, sind nicht beide Menschen, sondern beide Affen &#8211; kurz: Tiere.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Die Ursachen für den Fall des Homo sapiens sapiens</h3>
<p style="text-align: justify;">Wenn nun der Film im Primatenkino endlich zu laufen beginnt, so lässt Huxley nicht etwa die eigentliche Handlung selbst einsetzen, sondern gestaltet eine weitere, Szenerie, die zentrale Motive der vorhergehenden Rahmenhandlung aufgreift und die Ursachen der Katastrophe selbst beleuchtet. Wie in den meisten frühen Romanen, die sich mit dem <a title="Atomkrieg" href="http://dystopischeliteratur.org/katastrophen/atomkrieg/">Nuklearkrieg</a> auseinandersetzen, wird die Katastrophe dabei selbst nicht geschildert [4], wohl aber deren Vorspiel, das hier allerdings stark satirisch verfremdet wird:</p>
<p style="text-align: justify;">Unter sarkastischen Bemerkungen des Erzählers machen sich Affenarmeen, die &#8220;<em>unter anderen Flaggen geschart sind</em>&#8221; daran, sich gegenseitig auszulöschen. Prof. Albert Einstein wird von seinen behaarten Herren an der Leine geführt und &#8220;<em>hockt</em>&#8221; mit &#8220;<em>einem Ausdruck schmerzlicher Bestürzung</em>&#8221; hinter &#8220;<em>ihren Komisstiefeln</em>&#8220;. Das Sträuben der &#8220;<em>Einsteine</em>&#8220;, der schwache Widerstand des &#8220;<em>Vorrat[s] an Genies [...] der beiden Heere</em>&#8221; bleibt wirkungslos &#8211; unter den Klängen von Bach werden sie gezwungen, die von ihnen entwickelten biologischen und nuklearen Massenvernichtungswaffen gegen den Gegner zu richten. Erst nach dieser Anklage gegen den Nationalismus und die Willfährigkeit der Wissenschaft, blendet der Erzähler von den sich an Rum und Bologneserwurst labenden Militärs auf die postapokalyptische Szenerie über. Die Vereinnahmung der Wissenschaft durch die von primitiven Instinkten &#8211; hier: dem Nationalismus &#8211; gelenkten Generäle führt als Bestandsaufnahme und Interpretation der Gegenwart schon das vor, was die weitere Handlung noch mehrfach zeigen wird: Den von äußeren Gewalten und eigenen niederen Instinkten fremdgesteuerten Intellekt.</p>
<p style="text-align: justify;">Man muss Richard Saage Recht geben: &#8220;<em>Auch wenn Huxley seinen Text über weite Strecken ironisch verfremdet, so ändert das nichts an der Radikalität seiner düsteren Zeitdiagnose&#8230;&#8221; </em>[5]<em>, </em>zumal der Roman zudem wie eine Antwort auf die Rechtfertigungsversuche jener Wissenschaftler klingt, mit deren Name die Entwicklung der Atombombe unabänderlich verbunden ist. Drei Jahre vor dem Erscheinen hatte beispielsweise Albert Einstein in dem Essay <em>Atomkrieg oder Friede</em> seine Verantwortung zu negieren versucht:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;">&#8220;<em>Ich betrachte mich nicht als den Vater der befreiten Atombombe. Ich habe nur eine indirekte Rolle gespielt. Tatsächlich habe ich nicht vorausgesehen, daß sie zu meinen Lebzeiten noch frei würde. Ich habe nur an ihre theoretische Möglichkeit geglaubt.&#8221;[6]</em></p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;">Da nimmt es nicht wunder, dass Huxley den betreffenden Physiker angesichts der Tatsache, dass die Bombe nicht erst in den Lebzeiten anderer hochgeht, erschrocken durch die Stiefel seiner Herren gucken lässt.</p>
<h3>Expedition in die Katastrophe</h3>
<p style="text-align: justify;">Konstitutiv für das Genre der nuklearen Postapokalypse ist in den frühen Jahren das Expeditionsmotiv. Wie in Hans Wörners im selben Jahr veröffentlichten Roman <a title="Hans Wörner: Wir fanden Menschen" href="http://dystopischeliteratur.org/2012/09/23/hans-worner-wir-fanden-menschen/">Wir fanden Menschen</a> - der sich ebenfalls inhaltlich mit der Frage nach dem Wesen des Menschen bzw. dem Verhältnis von Mensch und Tier, Kultur und Primitiven auseinandersetzt &#8211; dringt im Jahr 2108 eine Expedition von außen in das radioaktiv verstrahlte und biologisch Gebiet ein.</p>
<p style="text-align: justify;">Stellt Wörners Katastrophe eine lokal begrenzte dar, so ist Huxleys jedoch global &#8211; nur Neuseeland ist aufgrund seiner Lage der Vernichtung und Verstrahlung entgangen. Aus der kleinen Gruppe neuseeländischer Forschern, die gut 100 Jahre nach dem Dritten Weltkrieg an der Küste von Los Angeles landet,  rekrutiert sich auch die Hauptfigur &#8211; ein von seiner Mutter gegängelter, gut erzogener, unverheirateter, wenig sportlicher Anti-Held, der als hingebungsvoller Botaniker amouröse Abenteuer nicht aus eigenem Erleben, sondern nur durch Anschauung von Bienchen und Blümchen kennt. Aber das soll sich bald ändern&#8230;</p>
<p style="text-align: justify;">Zu Beginn scheint das Manuskript die Erwartungen des zeitgenössischen Lesers, der mit dem Expeditionsmotiv eine abenteuerliche Handlung erwartet, vollends zu erfüllen: Der Held wird von ansässigen Überlebenden gekidnappt und entgeht aufgrund der Tatsache, dass man sich von ihm eine Verbesserung des Lebensmittelanbaus verspricht, nur knapp seinem Ende. Insofern lässt Huxley den Leser in seinen Erwartungen auch nicht irre gehen &#8211; dieses unternimmt erst Nevil Shute mit <a title="Nevil Shute: Das letzte Ufer" href="http://dystopischeliteratur.org/2010/11/27/nevil-shute-das-letzte-ufer/">Das letzte Ufer</a>. Dort werden die &#8220;Abenteurer&#8221; aufgrund der hohen Strahlung zu &#8220;Beobachtern&#8221; degradiert &#8211; und die vermeintlichen Überlebenden gibt es nicht. Und dennoch dürfte <em>Affe und Wesen</em> in vielerlei Hinsicht zu den Erwartungen der meisten zeitgenössischen Leser in bemerkenswerter Weise quer gestanden haben.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Belials Reich</h3>
<p style="text-align: justify;">Anknüpfend an die utopische Tradition führt Huxley mittels der Reisenden-Figur eine utopische Gesellschaft vor &#8211; aber eine des Schreckens: Das Individuum wird zu den abscheulichsten Arbeiten wie Leichenfledderei gezwungen, Sexualität ist auf wenige Tage im Jahr beschränkt, monogame Beziehungen stehen unter Todesstrafe, kopuliert wird nur in der Gruppe im Tempel des als &#8220;Teufel&#8221; zu erkennenden Dämons. Frauen werden (in eher christlicher Manier) als &#8220;Gefäße&#8221; bezeichnet (und verstanden) und gelten als Inbegriff der &#8220;Versuchung&#8221;. Schwere körperliche Strafen sind zur Freude der Lehrpersonen integraler Bestandteil der Erziehung. Nahezu alle Mitglieder der Gemeinschaft weisen schwere Mutationen aufgrund der Strahlung auf. Die zeitgleich zur Welt kommenden Neugeborenen, deren Mutationsschäden gewisse Grenzen überschreiten, werden einmal im Jahr öffentlich und (ohne Zweifel für den Leser) vom Priester genüsslich massakriert. Die schreienden und weinenden Mütter, denen schon im Vorfeld der Kopf kahl geschoren worden ist, werden unter Rutenschlägen die Stufen der Opferstelle hinuntergejagt. Durch dieses Szenario angeregt, bricht irgendwann die alljährliche Orgie aus &#8211; und endet erst viele Tage später wieder im Tempel des Dämons, wo die Menschen wieder ihre mit einem deutlich lesbaren &#8220;Nein&#8221; beschrifteten Lendenschurze und &#8220;Büstenhalter&#8221; anlegen.</p>
<p style="text-align: justify;">Angesichts dieses ins Dystopische umgebogenen utopischen Szenarios, das jeglichen auf dem &#8220;guten&#8221; Wesen des Menschen fußenden Fortschrittsgedanken negiert, erscheint es durchaus möglich, dass &#8211; wie Richard Saage annimmt &#8211; William Goldings Roman <a title="William Golding: Herr der Fliegen" href="http://dystopischeliteratur.org/2010/11/21/willam-golding-herr-der-fliegen/">Der Herr der Fliegen</a> &#8221;entscheidende Anregungen&#8221; durch Huxleys Werk erfahren hat. Die satirischen Überzeichnungen, die Huxley hier vornimmt, befremden &#8211; sie sind Zeichen der Desillusionierung und Frustration eines Autors, der  angesichts des von ihm diagnostizierten Zustands der Menschheit erkennt, dass seine Hoffnungen für die Zukunft &#8220;Utopie&#8221; bleiben müssen. Und diesem Gefühl der Verbitterung kann sich auch der Leser nicht entziehen. Selbst wenn die Katastrophe mit der Gesellschaft Tabula Rasa macht, brechen sich die negativen Anlagen des Menschen immer wieder Bahn.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Ein Held flieht für uns alle</h3>
<p style="text-align: justify;">Die übermächtige Gewalt des &#8220;Viehischen&#8221; führt Huxley auch immer wieder auch an der Hauptfigur selbst vor. So sehr die brutalen und obszönen Szenen, die sich abspielen, den wohlerzogenen und gehemmten Botaniker auch abgestoßen &#8211; schwach wird er doch: Auch er wirft sich im Liebesgerangel voller Leidenschaft auf seine Angebetete. Und als diese dann doch zu einem muskulöseren Partner weiterzieht, ficht er nicht lange mit sich (oder dem Konkurrenten) &#8211; und gibt sich mit zwei dunkelhäutigen Schönheiten zufrieden. So bitter die Szenerie auch ist, so düster ist die Analyse.</p>
<p style="text-align: justify;">Man kann manchmal aber nicht umhin über die Hauptfigur zu schmunzeln. In ihrer Schwäche wird sie einem im Laufe des Romans immer sympathischer. Man identifiziert sich mit ihr. Und wer ist schon so ohne Schuld, dass er einen Stein aufnehmen und nach einem ungelenken Wissenschaftler werfen darf, der im Angesicht der exotischen Versuchung nicht anders kann (?) als zu fehlen?</p>
<p style="text-align: justify;">Und dennoch: Huxleys Geschichte von der Zukunft des Menschen schließt trotz der sarkastischen Erzählhaltung nicht ohne Hoffnungsschimmer. Mit dem Helden zusammen durchschaut der Leser den Mechanismus von Trieb, Triebunterdrückung und Kontrolle. Und dieses Mal wagt es der letzte Wissenschaftler auf dem amerikanischen Kontinent auch endlich &#8220;Nein!&#8221; zu sagen &#8211; wenn auch nicht laut. So viel Opferbereitschaft hätte dem Helden auch nicht gut zu Gesicht gestanden &#8211; und ist auch gar nicht notwendig. Für uns alle (aber besonders die Wissenschaftler!) entzieht er sich der Vereinnahmung durch das System. Mit seiner Liebe stiehlt er sich davon. (Ja, Liebe! Liebe! Liebe! Und sie liebt ihn auch &#8211; das gibt es doch noch! [Siehe: <a title="Das Motiv der Liebe" href="http://dystopischeliteratur.org/dystopienseiten/motive-klassischer-dystopien/das-motiv-der-liebe/">Zur katalytischen Wirkung des Liebesmotivs für den dystopischen Plot</a>]) Sogar  in eine ungewisse und gefährliche Zukunft. Das reicht &#8211; und stiftet doch noch ganz am Ende jenseits des Daseins Sinn. Vielleicht ist ja doch noch Hoffnung für uns alle.</p>
<address style="text-align: justify;">[1] Stephan Meyer. Die anti-utopische Tradition. Eine ideen- und problemgeschichtliche Darstellung, Frankfurt am Main, 2001, S. 340.</address>
<address style="text-align: justify;">[2] Thomas Henry Huxley, Evidence as to Man&#8217;s Place in Nature, London, Edinburgh, 1863, S. 78.</address>
<address style="text-align: justify;">[3] Stephan Meyer. Die anti-utopische Tradition, S. 340f.</address>
<address style="text-align: justify;">[4]Hans Krah, Weltuntergangsszenarien und Zukunftsentwürfe. Narrationen vom &gt;Ende&lt; in Literatur und Film 1945-1990, Kiel, 2004, S. 89.</address>
<address style="text-align: justify;">[5] Richard Saage, Utopische Profile, Berlin, 2oo6, S. 314.</address>
<address style="text-align: justify;">[6] Albert Einstein, Atomkrieg oder Friede. In: Albert Einstein, Aus meinen späten Jahren, Stuttgart, 1952, S. 190-197, zit.:Alexander Ritter, Friedrich Dürrenmatt. Die Physiker, Stuttgart, 1991, S. 191.</address>
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		<title>Kristen Simmons: Artikel 5</title>
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		<pubDate>Tue, 14 May 2013 17:48:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Aisling</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dystopien]]></category>
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		<category><![CDATA[Jugendbücher]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen 2013]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension zu Kristen Simmons Roman Artikel 5 Eine Buchbesprechung von Aisling Ich bin ehrlich: Artikel 5 wollte ich zu 80 % nur lesen, weil es bei ivi erschienen ist. Eigentlich wollte ich nicht wieder eine Trilogie anfangen, aber die Bücher von ivi waren bisher immer gut und mich hat genau der letzte Satz vom Klappentext neugierig [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: center;">Rezension zu Kristen Simmons Roman Artikel 5</h1>
<h2 style="text-align: center;">Eine Buchbesprechung von Aisling</h2>
<p style="text-align: justify;"><img class="cover alignleft" alt="Simmons - Artikel 5" src="http://dystopischeliteratur.org/wordpress/wp-content/uploads/2013/03/Simmons-Artikel-5.jpg" width="188" height="300" />Ich bin ehrlich: <em>Artikel 5</em> wollte ich zu 80 % nur lesen, weil es bei ivi erschienen ist. Eigentlich wollte ich nicht wieder eine Trilogie anfangen, aber die Bücher von ivi waren bisher immer gut und mich hat genau der letzte Satz vom Klappentext neugierig gemacht: &#8220;<em>Man muss einfach wissen, was den Mann dazu getrieben hat, seine Freundin zu verraten.&#8221;</em></p>
<p style="text-align: justify;">Ember ist ein <em>Artikel 5</em>, ein unehelich gezeugtes Kind. Sie und ihre Mutter fliegen auf, weil der frühere Nachbar sie verraten hat: Chase, Embers große Liebe, der zum Militär gegangen ist. Ember kommt in eine Resozialisierungsanstalt, in der sie erlebt, wie das System funktioniert und dass es nicht das ist, für was sie es gehalten hat. Sie sorgt sich um ihre Mutter und will nichts lieber als raus aus der Anstalt, um sie zu retten. Bei dem Versuch wird sie jedoch geschnappt. Bevor ihr Gewalt angetan werden kann, kommt ihr ausgerechnet jener Mensch zur Hilfe, der sie überhaupt erst in diese Situation gebracht hat: Chase. Er hat Embers Mutter versprochen, sie in ein sicheres Haus zu bringen und nutzt nun seinen Status als Soldat, um ihr zu helfen. Allerdings begibt er sich dafür selbst in Gefahr, denn er wird fahnenflüchtig. Den Schleuser zu finden, der die beiden in Sicherheit bringen soll, gestaltet sich jedoch schwierig. Schaffen sie es?</p>
<h3 style="text-align: justify;">Idee und Plot</h3>
<p style="text-align: justify;">Die Idee finde ich ehrlich gesagt nicht wirklich innovativ. Allerdings gibt es in Amerika Gegenden, die sehr scharfe Moralvorstellungen haben und so ist ein Roman mit dieser Thematik dort sicher interessant. Was ich aber wirklich ansprechend fand, war die Tatsache, dass die große Liebe der Verräter ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Mir hat der Plot sehr gut gefallen. Es geht gleich am Anfang los und schnell hat man alles vom Klappentext in der Handlung wiedergefunden. Das Beste: Zu dem Zeitpunkt hat man fast das ganze Buch noch vor sich! Die Drehungen und Wendungen machen die Handlung spannend und man rätselt eine ganze Zeit, ob man mit der Vermutung, was es mit Chases Verhalten auf sich hat, richtig liegt. Manche Dinge waren für mich vorhersehbar, aber das hat meine Leselust nicht getrübt. Ganz im Gegenteil, ich war gefesselt und musste weiterlesen. Als Film würde sich die Geschichte in meinen Augen sehr gut machen.</p>
<h3 style="text-align: justify;"><strong>Schreibstil</strong></h3>
<p style="text-align: justify;">Bingo! Wieder mal Ich-Perspektive im Präteritum. Ich liebe es. Vor allem sehr gut gemacht, was Dinge anbelangt, die bei anderen Personen passieren. Der Roman lässt sich leicht und schnell lesen, bleibt aber trotzdem spannend. Gleich von Anfang an gelingt es der Autorin, eine bedrückende Atmosphäre zu schaffen &#8211; und dennoch hofft man mit Ember mit, die sich so durch einen Großteil des Buches bewegt. Details wie das langsame Verheilen von Narben werden toll in die Handlung eingefügt. Ambers Beobachtungen über Mimik und Verhalten von Chase und ihre damit verbundenen Gefühle gehen sehr nah.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Charaktere</h3>
<p style="text-align: justify;">Vor allem Chase hat mir sehr gut gefallen. Auf mich wirkt er noch durchdachter als Ember, obwohl alle Charaktere, sowie auch die Nebenfiguren viel Liebe zum Detail erhalten haben.<strong> </strong> Ich will nicht spoilern, deshalb geh ich nicht ins Detail, aber ich mag seinen inneren Antrieb. Auch Embers Liebe zu ihrer Mutter ist bedingungslos und man versteht, warum sie für sie alles riskieren will. Sehr gefallen hat mir vor allem die Beziehung zwischen Ember und Chase. Diese typischen Missverständnisse zwischen Männer und Frauen. Dieses aneinander vorbeireden. Toll eingefangenen. Das macht die Figuren so echt.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Hintergrund</h3>
<p style="text-align: justify;">Ich möchte eigentlich nicht erwähnen, an was die Statuten erinnern und vor allem die Soldaten und was mit den Menschen passiert, die aus der Reihe tanzen. Man merkt aber, dass sich da jemand Gedanken gemacht hat, wie eine Welt mit solchen Moralvorstellungen aussieht. Gerne hätte ich mehr darüber erfahren, wie und warum es genau zu den Statuten kam. Es wird zwar angerissen, aber ich möchte mehr und hoffe auf die Fortsetzungen.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Fazit</h3>
<p style="text-align: justify;">Ich bin mit null Erwartungen an <em>Artikel 5</em> herangegangen, wollte nur diesem letzten Satz vom Klappentext auf den Grund gehen. Bekommen habe ich ein Leservergnügen, was mich die Seiten nur so hat umblättern lassen. Es war wieder eines dieser Bücher, die ich überall mithinschleppe und wo sich auch nur ein kleiner Absatz zwischendurch lohnt. Meist bin ich jedes Mal gefesselt worden. Ich habe einige <a title="Merkmale klassischer Dystopien" href="http://dystopischeliteratur.org/2011/01/13/merkmale-klassischer-dystopien/">Dystopien</a>/<a title="Rezensionen von Postapokalypsen" href="http://dystopischeliteratur.org/rezensionen-von-postapokalypsen/">Endzeitgeschichten</a> gelesen, aber diese bestach vor allem durch die beiden Hauptcharaktere, ihre Interaktion und Antrieb. Das hat <em>Artikel 5</em> für mich besonders gemacht.</p>
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		<title>Justin Cronin: Der Übergang</title>
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		<pubDate>Sun, 12 May 2013 16:53:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>K.O.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Katastrophenszenarien]]></category>
		<category><![CDATA[Mittelfeld]]></category>
		<category><![CDATA[Pandemie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Vampire]]></category>

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		<description><![CDATA[Justin Cronin &#8211; Der Übergang: Beginn einer spannenden Endzeittrilogie &#8211; getarnt als Mystery-Thriller Eine Buchbesprechung von K.O. Dieser Roman wurde mir von einer guten Freundin ans Herz gelegt mit den Worten: &#8220;Absolut tolles Buch! Du musst aber ein wenig Geduld damit haben!&#8221;. Wie recht sie mit diesem Satz hatte, sollte ich schon sehr bald herausfinden. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: center;">Justin Cronin &#8211; Der Übergang: Beginn einer spannenden Endzeittrilogie &#8211; getarnt als Mystery-Thriller</h1>
<h2 style="text-align: center;">Eine Buchbesprechung von K.O.</h2>
<p style="text-align: justify;"><img class="cover alignleft" alt="Cronin - Der Übergang" src="http://dystopischeliteratur.org/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/Cronin-Der-Übergang.jpg" width="197" height="300" />Dieser Roman wurde mir von einer guten Freundin ans Herz gelegt mit den Worten: &#8220;Absolut tolles Buch! Du musst aber ein wenig Geduld damit haben!&#8221;. Wie recht sie mit diesem Satz hatte, sollte ich schon sehr bald herausfinden. Ich habe mich nicht lumpen lassen und mir den Ebook-Download für meinen Kindle gegönnt, aber es sollte geraume Zeit dauern, bis sich diese finanzielle Investition für mich als Leser &#8220;emotional&#8221; auszahlte. Aber jetzt erstmal ganz von Anfang an.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Optik=Mystery! Zielgruppe verfehlt?</h3>
<p style="text-align: justify;">Schon vor einiger Zeit hielt ich das mit über 1000 Seiten recht beeindruckenden Hardcover in den Händen, konnte mich allerdings nicht für dieses Buch erwärmen. Die Covergestaltung (das Gesicht eines geheimnisvollen Mädchens) und der kurz und &#8220;geheimnisvoll&#8221; gehaltene Klappentext schrien mich geradezu an: &#8220;Dies ist ein Mystery-Roman! Schönen Gruß aus der Twilight-Ecke, deine Frau wäre entzückt!&#8221;. Nein, definitiv NICHT meine Baustelle, ich sah mich selbst nicht als Teil der passenden Zielgruppe (weiblich, romanisch, mystisch). Wie sehr ich mich irren sollte fand ich nach spätestens ca. 350 Seiten und dem zeitweise aufkeimenden Verlangen dieses Teil von meinem Ebook-Reader zu löschen heraus.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Vampire verursachen das Ende der Welt</h3>
<p style="text-align: justify;">Die Protagonistin des Romanes ist das kleine, rätselhafte Mädchen Amy, welches mit mysteriösen Fähigkeiten ausgestattet ist. Wie diese im Einzelnen aussehen, wird jedoch über weite Strecken des Romanes bestenfalls nur angedeutet. Sie gerät in das Visier eines geheimen Regierungsprojektes, welches nicht weniger als die Unsterblichkeit des Menschen zum Ziel hat. Neben Amy sind noch zwölf &#8220;Probanden&#8221; in das Projekt eingebunden, zum Tode verurteilte Sträflinge die kein Mensch vermissen würde. Den weiteren Verlauf des Romanes möchte ich an dieser Stelle <em>en detail</em> nicht preisgeben. Nur soviel: Bereits die ersten ca. 100 Seiten strapazierten schon meine Geduld als Leser. Natürlich kommt es wie so wie es kommen muß: Das Experiment geht schief, die Probanden fliehen und läuten das Ende der menschlichen Zivilisation wie wir sie kennen ein. Als das erste Mal das Wort &#8220;<a title="Vampire" href="http://dystopischeliteratur.org/katastrophen/vampire/">Vampir</a>&#8221; zu lesen war, konnte ich mir ein Augenrollen nicht verkneifen, Zweifel keimten in mir auf, ob ich nicht vielleicht doch einen Griff ins Klo getan hatte. Aber hier kann ich Entwarnung geben. Ja, die &#8220;Wesen&#8221; haben zwar Gemeinsamkeiten mit &#8220;klassischen&#8221; Vampiren, werden aber als teilweise telepathisch begabte, reißende Bestien dargestellt. So weit so gut. An dieser Stelle des Buches folgt der für mich erste große Kritikpunkt.</p>
<p style="text-align: justify;">Während der ersten 350 Seiten schafft Cronin es wichtige Charaktere einzuführen und ihnen einen detaillierten Hintergrund zu geben. Der Leser wird emotional an die Protagonisten gebunden und die Geschichte mustergültig zugespitzt &#8211; um dann einen plötzlichen Bruch zu erhalten. Die Story macht einen hundertjährigen Zeitsprung, alle so liebgewonnenen und wichtigen Protagonisten sind weg. Die Geschichte fängt ebenso wieder bei (fast) Null an wie der Leser. Und es soll sehr lange dauern, bis das einzige Bindeglied zwischen &#8220;Davor&#8221; und &#8220;Danach&#8221;, nämlich das Mädchen Amy, wieder eine Rolle spielt.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Detailverliebt wie Stephen King</h3>
<p style="text-align: justify;">Der Autor, Justin Cronin, gibt sich sehr viel Mühe seiner Welt und seinen Protagonisten möglichst viel Tiefe zu verleihen. Oder kurz fomuliert: Er lässt sich Zeit. Sehr viel Zeit! Dermaßen viel Zeit, dass ich mir oft dachte: &#8220;Verdammt jetzt komm doch endlich mal zum Punkt!&#8221;. In seiner Detailverliebtheit erinnert mich Cronin häufig an Stephen King, eine Eigenschaft die ich bei beiden zeitweise als nervtötend empfinde. Tiefe und Detailliertheit in allen Ehren, aber muß man die Familiengeschichten von Nebencharakteren, welche eine eher untergeordnete Rolle spielen, bis auf vier Generationen zurück darstellen? Muß man jedes Blatt eines Baumes am Wegesrand beschreiben? Ihr versteht sicher was ich meine. Zu behaupten &#8220;Der Übergang&#8221; hätte keine Längen, wäre eine glatte Lüge! Eben diesen Längen und Details sieht sich der Leser nach dem obenstehenden &#8220;Bruch&#8221; gegenüber und Geduld ist definitiv angebracht, aber lohnenswert. Denn als die Story wieder an Fahrt aufnimmt will man dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Zwischen Wissenschaft und dem Übersinnlichen</h3>
<p style="text-align: justify;"><em>Der Übergang</em> zeichnet eine Welt nach der großen <a title="Pandemie" href="http://dystopischeliteratur.org/katastrophen/pandemie/">Pandemie</a>, den Überlebenskampf der wenigen verbliebenen Menschen und ihre Suche nach Hoffnung. Dieses Buch verlangt dem Leser viel Geduld ab, fesselt ihn aber mit seiner Tiefe, seinen Wendungen und der Fähigkeit des Autors die Neugier des Lesers immer wieder zu entfachen und am Lodern zu halten. Cronin vollführt einen Balanceakt zwischen wissenschaftlich geprägtem Thriller (zu Beginn des Buches) und metaphysich angehauchtem Endzeitszenario, und zwar so geschickt, dass es zu keinem Zeitpunkt peinlich oder albern wirkt. Auch das Thema Vampirismus wird jenseits aller halbwüchsigen Kuschelvampirromantik behandelt und schafft es, nicht im Kitsch zu versinken.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Fazit</h3>
<p style="text-align: justify;">Oft wollte ich dieses Buch weglegen. Doch der Sog der Ereignisse, die wirklich gut geschilderte postapokalyptische Welt&#8230; und die schiere Neugier haben mich immer weiter getrieben. Ich wurde nicht enttäuscht und habe eine wirklich spannende, fesselnde Story bekommen. Zugegeben, 150 Seiten weniger und eine straffere Story hätten <em>Der Übergang</em> sicher nicht geschadet, dennoch sitze ich nun händereibend in meinem patentierten Lesesessel und warte auf mein Rezensionsexemplar von &#8220;Die Zwölf&#8221;, dem zweiten Teil von Cronins &#8220;Passage Trilogie&#8221;. (Wink mit dem Zaunpfahl an den Admin!)</p>
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		<title>Call for Bios</title>
		<link>http://dystopischeliteratur.org/2013/05/04/call-for-bios/</link>
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		<pubDate>Sat, 04 May 2013 14:49:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>RobRandall</dc:creator>
				<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir brauchen Dich! Biografien gesucht Liebe Leser und Rezensenten von Dystopische Literatur, gerne würde ich den Biografiebereich auf unserer Seite weiter ausbauen. Es fehlen hier&#8230; *öhhh*&#8230; es fehlt hier einfach so gut wie alles. Wenn Du  also eine(n) Lieblingsautor(in) hast, eine(n) Schriftsteller(in), für den/die du dich begeisterst und der/die hier auf der Seite vertreten ist [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: center;">Wir brauchen Dich! Biografien gesucht</h1>
<p>Liebe Leser und Rezensenten von Dystopische Literatur,</p>
<p style="text-align: justify;">gerne würde ich den Biografiebereich auf unserer Seite weiter ausbauen. Es fehlen hier&#8230; <em>*öhhh*</em>&#8230; es fehlt hier einfach so gut wie alles. <img src='http://dystopischeliteratur.org/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_sad.gif' alt=':(' class='wp-smiley' /> </p>
<p style="text-align: justify;">Wenn Du  also eine(n) Lieblingsautor(in) hast, eine(n) Schriftsteller(in), für den/die du dich begeisterst und der/die hier auf der Seite vertreten ist (oder vertreten sein sollte!), so würden wir uns freuen, wenn du uns eine Biografie zukommen lassen würdest:</p>
<ul style="text-align: justify;">
<li>Sie muss auch gar nicht lang sein &#8211; nur von dir selbst verfasst.</li>
<li>Du musst auch keine Bibliografie zusammenstellen &#8211; das macht unsere Datenbank von ganz alleine .</li>
<li>Du würdest auch namentlich am Ende der Seite als Urheber genannt &#8211; es bleibt <strong>Dein</strong> Text.</li>
<li>Gut wäre es aber, wenn Du die Quellen angeben würdest, auf die du dich stützt.</li>
<li>Die von dir verfasste Biografie würde dann jedes Mal als Link erscheinen, wenn die bibliografischen Daten in einer Rezension angezeigt werden.</li>
</ul>
<p style="text-align: justify;">Wenn du also Spaß daran haben solltest, eine kurze Biografie zu deinem Lieblingsautoren &#8211; oder auch einem anderen natürlich <img src='http://dystopischeliteratur.org/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' />  &#8211; verfassen zu wollen, so kannst du am besten auf <a title="Rezensionen" href="http://dystopischeliteratur.org/rezensionsliste/">unserer Rezensionsliste</a> herausfinden, ob zu diesem schon eine Biografie vorhanden ist (In diesem Falle erscheint der Name als Link). Den Text könntest du uns dann mit dem Hinweis, wie du genannt werden willst, zusenden unter <em>info[at]dystopischeliteratur.org.</em></p>
<p> Zwei Beispiele, wie das Ganze dann aussieht, (ein sehr kurzes und ein etwas längeres) findest du hier:</p>
<p><a title="Biografie von Caragh O'Brien" href="http://dystopischeliteratur.org/biografien/caragh-obrien/">Caragh O&#8217;Brien</a></p>
<p><a title="Herbert W. Franke" href="http://dystopischeliteratur.org/biografien/herbert-w-franke/">Herbert W. Franke</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es wäre super, wenn es uns gelingen würde, so  noch mehr Hintergrundinformationen zu den Romanen und Schriftstellern bieten zu können.</p>
<p>Rob Randall</p>
<p>P.S. Rezensenten von DL.org können unter &#8220;Weitere Beiträge&#8221;&gt;&#8221;Biografien&#8221; einen solchen Artikel ähnlich wie eine Rezension anlegen. <img src='http://dystopischeliteratur.org/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Katie Kacvinsky: Maddie. Der Widerstand geht weiter</title>
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		<pubDate>Sat, 04 May 2013 10:06:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Aisling</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dystopien]]></category>
		<category><![CDATA[Empfehlungen]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendbücher]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen 2013]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension von Katie Kacvinskys Maddie – Der Widerstand geht weiter Eine Buchbesprechung von Aisling Breith Ich mochte den ersten Teil der Trilogie rund um Maddie und Justin schon sehr. Außerdem hat es mir der männliche Hauptprotagonist angetan. Neben dem guten Thema um die Zukunft und ihre Online–Welt waren das genug Gründe, um die Fortsetzung zu [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: center;">Rezension von Katie Kacvinskys <em>Maddie – Der Widerstand geht weiter</em></h1>
<h2 style="text-align: center;">Eine Buchbesprechung von Aisling Breith</h2>
<p style="text-align: justify;"><img class="cover alignleft" alt="Katie Kacvinsky-Maddie der Widerstand geht weiter" src="http://dystopischeliteratur.org/wordpress/wp-content/uploads/2013/01/Katie-Kacvinsky-Maddie-der-Widerstand-geht-weiter.jpg" width="282" height="420" />Ich mochte den <a title="Katie Kacvinsky: Die Rebellion der Maddie Freemann" href="http://dystopischeliteratur.org/2011/11/23/katie-kacvinsky-die-rebellion-der-maddie-freeman/">ersten Teil der Trilogie</a> rund um Maddie und Justin schon sehr. Außerdem hat es mir der männliche Hauptprotagonist angetan. Neben dem guten Thema um die Zukunft und ihre Online–Welt waren das genug Gründe, um die Fortsetzung zu lesen.</p>
<p style="text-align: justify;">Offiziell steckt Maddie nach den Geschehnissen im ersten Teil in einem Umerziehungscenter, aber ihr einflussreicher Vater hat seine Beziehungen spielen lassen, sodass Maddie bei ihrem Bruder wohnt, um den Abschluss in der Digital School zu beenden.  Sie hat lange nichts von Justin gehört und trifft ihn ausgerechnet in einem Club wieder. Dort hat Maddie das System lahmgelegt, denn in dem Club treffen sich die Leute, um letztendlich online zu tanzen &#8211; anstatt auf einer echten Tanzfläche. Zusammen mit Justin türmt sie und auf der Flucht retten sie noch einen Anhalter, einen Jugendlichen, der dem System entfliehen will.  Maddie gerät jedoch in die Fänge von Damon, der sie ohne Zögern in ein Umerziehungscenter steckt. Jetzt kann nicht mal mehr ihr Vater Maddie helfen. In dem Center muss sie einen klaren Kopf bewahren. Gar nicht so einfach, wenn man unter Drogen steht und jede Nacht Alpträume hat.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Idee und Plot</h3>
<p style="text-align: justify;">Ich musste zwar direkt an <a title="Anthony Burgess: A Clockwork Orange" href="http://dystopischeliteratur.org/2010/11/08/anthony-burgess-a-clockwork-orange/">Clockwork Orange</a> denken, als ich das Buch gelesen habe, aber dennoch finde ich die kritische Sicht auf soziale Netzwerke und die Kraft der digitalen Welt wichtig. Maddie in diesem Teil leiden zu lassen ist hart, aber eine gute Idee.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt, was ich sehr gut und passend finde, da es eine Zeit vor und nach dem Center gibt. Nahezu nahtlos an Band eins anknüpfend steigt man in die Geschichte ein und ich musste erst noch mal kurz überlegen, wer denn die ganzen Personen sind, die da wieder auftauchen. Das ging aber nach ein paar Seiten. Zunähst erlebt man Maddie in der normalen digitalen Welt. Aufgeweckt, frech und so gar nicht abweichend von ihren Prinzipien. Dann kommt allerdings der interessante und wichtige Mittelteil des Buches. Obwohl es der beste Teil inhaltlich ist, muss ich meckern:</p>
<p style="text-align: justify;">Mir war das Center zu ungesichert. Die Lösungen alle zu einfach. Auch wenn die Autorin Erklärungen liefert, finde ich diese zu sehr ausgedacht und es passt nicht zu der Härte, die das Center ansonsten aufweist. Allerdings regt dieser Teil viel zum Nachdenken an, was dem Lesefluss wieder zugutekommt. Allgemein betrachtet ist der Plot schlüssig und für den Fortgang der Geschichte gut gewählt und aufeinander gebaut.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Schreibstil</h3>
<p style="text-align: justify;">Wieder Ich-Perspektive im Präteritum. Bekanntermaßen meine Lieblingsperspektive. Wieder ist die Geschichte gespickt mit Tagebucheinträgen, was eine schöne Abwechslung ist. Sehr gut gefallen haben mir Maddies Gedankengänge. Sicher gab es auch Wiederholungen, aber ich konnte alles nachvollziehen und das sich Gedanken wiederholen, ist völlig normal. Katie Kacvinsky hat keinen besonderen Stil, der sie einzigartig machen würde, aber man kann den Text gut lesen. Wieder konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Das liegt sicher auch an der Handlung, aber der einfache Stil begünstigt natürlich ein schnelles Lesetempo.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Charaktere</h3>
<p style="text-align: justify;">Maddie ist man in diesem Teil besonders nah gekommen. Sie ist forsch, mutig, liebevoll, gerissen, aber auch verletzlich und zerrissen. Sie hat mir sehr gut gefallen. Justin ist … hach. Einer dieser männlichen Protagonisten, die ich total liebe. Ich mag zwar seine Basecap nicht, aber das ist ja Geschmackssache. Was ihn eigentlich ausmacht, ist sein Witz, seine Unnahbarkeit, aber auch gleichzeitig seine gefühlvolle Seite. Es wird aufgeklärt, warum er sich so um Maddie sorgt. Meiner Meinung wäre das nicht nötig gewesen und ich finde es ein bisschen zu amerikanisch/Hollywood, aber dennoch mag ich seinen ruhelosen Charakter. Beide in Kombination ist wunderbar in den guten, aber auch den schlechten Zeiten.<b><br />
</b></p>
<p style="text-align: justify;">Erwähnen muss ich einen neuen Charakter: Gabe. Erst dachte ich, jetzt gibt es ein Love-Triangle, aber dem ist nicht so. Ich bin gespannt, ob Gabe im dritten Teil noch mal aufgenommen wird, denn er birgt großes Potenzial und hat schon in diesem Teil eine wichtige Rolle.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Hintergrund</h3>
<p style="text-align: justify;">Ich habe ja schon angemerkt, dass ich nicht so ganz von dem Umerziehungscenter überzeugt war. Meiner Meinung hätte man da an der Logik mehr arbeiten müssen. Was ich jedoch richtig gut finde, ist die Beschreibung  der digitalen Welt. Die ganzen Wandschirme, die digitale Disco und das ganze Oberflächliche, was das mit sich bringt. Allerdings glaube ich, dass wir der Welt in der Maddie-Trilogie viel näher sind und diesen Zustand noch lange vor 2060 erreichen.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich unterstelle der vielgereisten Autorin mal, dass sie einige alternativ lebende Leute auf ihren Reisen getroffen hat. Denn die Beschreibungen von Eden passte total. Ich habe mich dort so wohl gefühlt, dass ich am liebsten wirklich dort gewesen wäre. <b><br />
</b></p>
<h3 style="text-align: justify;">Fazit</h3>
<p style="text-align: justify;">Ich mag diese Trilogie. Einfach schon vom Thema her. Man denkt kritisch über Facebook und Co nach. Dabei ist mir aufgefallen wie viel Zeit ich selbst im Internet verbringe und sogar bei jedem Urlaub überlege, ob ich da Netzanbindung habe. Auch wenn der Stil nicht besonders hervorsticht und ich ein paar Kritikpunkte habe, finde ich sie dennoch absolut empfehlenswert. Denn dafür behandelt und beleuchtet Katie Kacvinsky ein brisantes Thema. Die Reihe ist keine typische Dystopie. Sie geht wirklich tief, wenn man sich Maddies Gedanken bewusst macht und Parallelen zu unserer Welt zieht. Trotz Kritik ein berührendes Buch, denn der Mittelteil geht einfach sehr unter die Haut.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Robert A. Heinlein: Sternenkrieger</title>
		<link>http://dystopischeliteratur.org/2013/05/03/robert-a-heinlein-starship-troopers/</link>
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		<pubDate>Fri, 03 May 2013 04:23:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Galaxyquest</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alieninvasion]]></category>
		<category><![CDATA[Empfehlungen]]></category>
		<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist das Individuum, Dummkopf: Rezension von Robert A. Heinleins Starship Troopers Eine Buchbesprechung von Stefan Cimander „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!“, sagte John F. Kennedy 1961. Als zentrale Motivation flecht sich Kennedys Äußerung in das drei Jahre zuvor publizierte, novellenartige Sternenkrieger (Starship Troopers) [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: center;">Es ist das Individuum, Dummkopf: Rezension von Robert A. Heinleins <em>Starship Troopers</em></h1>
<h2 style="text-align: center;">Eine Buchbesprechung von Stefan Cimander</h2>
<p style="text-align: justify;"><img class="alignleft size-full wp-image-16020" alt="Heinlein-Starship Troopers" src="http://dystopischeliteratur.org/wordpress/wp-content/uploads/2013/04/Heinlein-Starship-Troopers.jpg" width="200" height="316" />„Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!“, sagte John F. Kennedy 1961. Als zentrale Motivation flecht sich Kennedys Äußerung in das drei Jahre zuvor publizierte, novellenartige <em>Sternenkrieger</em> (<em>Starship Troopers</em>) von Robert A. Heinlein ein. Denn in dem schon zeitgenössisch kontrovers rezipierten Traktat verteidigt Heinlein den amerikanischen Pioniergeist vor dem Hintergrund der Bedrohung durch den Kommunismus und dem schleichenden Niedergang der Gesellschaft.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Kontroverse als Konstante</h3>
<p style="text-align: justify;">Während 1997 Paul Verhoevens Heinlein-Verfilmung <em>Starship Troopers </em>in den Kinosälen flimmerte, geisterte das Damoklesschwert der Faschismus- und Gewaltverherrlichung durch die Feuilletons der Republik. Obwohl Verhoevens Interpretation stark von der literarischen Vorlage abweicht, wurde auch Heinlein zeitlebens für seine 1958 erstmalig als <em>Starship Soldiers</em> fortlaufend publizierte Serie gescholten.</p>
<p style="text-align: justify;">Die eigentliche Erzählung von <em>Starship Troopers</em> ist banal und schnell zusammengefasst, fehlen ihr doch wesentliche Elemente einer auf Unterhaltung und Spannung angelegten Handlung. Es gibt keine Romantik, keinen Sex, Rico hat keinen Gegenspieler, es gibt nur wenige wichtige Charaktere, seitenlange Abhandlungen über militärische Doktrin, Politik und theoretisch-philosophischer Einlassungen lassen <em>Starship Troopers</em> in weiten Strecken mehr als eine Dokumentation denn als Roman erscheinen.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Vom Gefreiten zum Leutnant</h3>
<p style="text-align: justify;">Der Philippino Juan Rico erzählt memoirenhaft aus der Ich-Perspektive seine militärische Karriere, seine Erlebnisse im Krieg und erklärt das politische und gesellschaftliche System seiner Gegenwart. Das Buch beginnt mit der Schilderung einer Kommandomission und schlägt dann den Bogen zur Schulzeit. Durch seinen Kumpel mitgerissen, meldet sich der 18-jährige Rico nach bestandenem Abitur zum Militärdienst und landet bei der M.I., der Mobilen Infanterie, einer Teilstreitkraft, die so gar nicht Ricos Präferenzen entspricht. Für Rico ist der Militärdienst der einzige Weg, das Wahlrecht zu erhalten.</p>
<p style="text-align: justify;">Obwohl die Ausbildung hart ist, kommen Rico erst spät Zweifel an seiner Entscheidung. Ein Brief seines Lehrers in Moralphilosophie überzeugt, ihn bei der M.I. zu verbleiben. Wenig später zerstören die Archanoiden („Bugs“) Buenos Aires, dabei kommt Ricos Mutter ums Leben. Als Gefreiter nimmt er an verschiedenen Kampfeinsätzen teil, bevor er sich für die Offizierslaufbahn meldet. Bevor er sein Offizierspatent erhält, muss Rico als Fahnenjunker an einer Mission teilnehmen, deren Zweck es ist, einen „Brain-Bug“ dingfest zu machen. Das Buch endet mit seinem ersten Einsatz als Leutnant.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Kampf als Teil der Erziehung</h3>
<p style="text-align: justify;">Heinlein schrieb <em>Starship Troopers</em> anfänglich als Jugendbuch, auch wenn es letztlich für Erwachsene veröffentlicht wurde, zielt Heinleins Intention auf die politische Erziehung. Heinlein beschreibt Ricos Reifeprozess, einen Prozess, der sich nur durch den Bundesdienst erreichen lässt und der Identität und Loyalität formt. Dies erinnert entfernt an Ernst Jüngers <em>In Stahlgewittern</em>.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Anschreiben gegen Amerikas Schwäche</h3>
<p style="text-align: justify;"><em>Starship Troopers</em>setzt Kenntnisse in amerikanischer Geschichte, der gesellschaftlichen Werte und der weltpolitischen Lage der 1950er Jahre voraus. Insbesondere die Science-Fiction der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts reflektierte den Ost-West-Konflikt. <em>Starship Troopers </em>entsteht in einer der heißen Phasen des Ost-West-Konfliktes, in der Amerika das subjektive Gefühl hatte, den geopolitischen wie technischen Anschluss zu verlieren.</p>
<p style="text-align: justify;">Heinlein selbst konstatierte die Ursache dieser Schwäche in der Nachgiebigkeit Amerikas gegenüber den Sowjets. Er hegte die Befürchtung, die Sowjetunion könne dieses Unvermögen für einen Überraschungsangriff ausnutzen. In <em>Starship Troopers</em> steht der Überraschungsangriff der Bugs auf Buenos Aires als Sinnbild für diese Angst und als Warnung vor dem Vernichtungspotenzial des Kommunismus.</p>
<p style="text-align: justify;">Als Heinlein am 5. April 1958 eine Zeitungsanzeige des <em>National Committee for a Sane Nuclear Policy</em> liest, die einen unilateralen Stopp der Atombombentests propagiert, fühlt er sich in seinem Standpunkt bekräftigt. <em>Starship Troopers</em> ist die literarische Reaktion auf dieses Ansinnen und den konstatierten politisch-gesellschaftlichen Niedergang, steht gleichzeitig aber auch am Ende einer vom Ehepaar Heinlein erfolglos geführten Kampagne, die mit der Gründung der nach dem Kämpfer für die Individualrechte benannten „Patrick Henry League“ begann. Die Kampagne gegen den Stopp der Atombombentests brachte Heinlein viel Kritik ein, und verhinderte letztlich auch nicht das tatsächlich von 1959 bis 1961 vereinbarte Moratorium.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Kommunismus vs. Freiheit</h3>
<p style="text-align: justify;">Die Bugs sind eine kollektivistische Archanoiden-Gesellschaft, die in der dichotomisch skizzierten Welt des Robert Heinlein für den Kommunismus steht. Dem steht eine auf Freiheit und Selbstbestimmung basierende Menschheit (Amerika) gegenüber. Die von der Menschheit gegen die Bugs verteidigten Werte stimmen mit den klassisch-liberalen Werten des amerikanischen Gründungsmythos überein: Individualismus, Gleichheit, Freiheit, Schutz des Eigentums, Laissez-faire, Konstitutionalismus und Demokratie.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch was die militärische Taktik in <em>Starship Troopers</em> anbelangt, zeigen sich Parallelen zum <em>Containment</em> der Truman- und der Machtpolitik der Monroe-Doktrin. Die Bugs erobern Planeten, die Menschheit schlägt zurück. In der realen Welt der 1950er Jahre geschah nichts anderes. Der Westen verteidigte seine Werte nach dem Prinzip der Dominotheorie: Fällt ein Staat, dann fallen auch andere.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Beunruhigendes auch an der Heimatfront</h3>
<p style="text-align: justify;">Diesen Wertekonsens sieht Heinlein im Inneren stückweise außer Kraft gesetzt. Die weitreichenden Eingriffe des amerikanischen Bundesstaates infolge des New Deal, die Herausbildung eines militärisch-industriellen Komplexes, und der erzwungene Konformismus im Zeitalter des McCarthyismus ließen eine gigantische Bürokratie entstehen, deren Regelungswut nicht nur Heinlein als Übel empfand. Statt selbst die Initiative zu ergreifen, ist das Individuum verleitet, sich auf Staatshilfe zu verlassen.</p>
<p style="text-align: justify;">Demgegenüber beklagt er den Verlust individueller Fähigkeiten. In <em>Starship Troopers</em> sind Mathematik und Wissenschaft deshalb essenziell für die Ausbildung der Soldaten. Wie das antike Vorbild der Spartaner oder der platonschen Wächter braucht ein Land Wissen und Fähigkeiten, um dem Feind entgegen treten zu können. Mit diesem Rekurs offenbart er das Unvermögen der USA, bei der Eroberung des Alls mit den Sowjets aufzuschließen. Heinleins Antwort ist einfach: Aufbau einer Wissensgesellschaft!</p>
<p style="text-align: justify;">Es ist nur folgerichtig, wenn das Militär die einzige Institution darstellt, die die Menschen in dieser Situation schützen kann.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Heinleins Utopie</h3>
<p style="text-align: justify;">Ist <em>Starship Troopers</em> als unmittelbare politische Reaktion entstanden, verarbeitet er in dem Buch gleichwohl seine militärischen, politischen sowie gesellschaftlichen Ansichten. Heinlein will die Schwächen des politischen und gesellschaftlichen Systems offenlegen und seine Utopie zeigen. Gleichberechtigung der Geschlechter und Rassen ist für ihn selbstverständlich, in den 1950er Jahren geradezu revolutionäre Thesen.</p>
<p style="text-align: justify;">Härte und Bestrafung in Erziehung und Justiz sind nach Heinlein der einzige Weg einen Menschen zum Guten zu erziehen. Diskussion, Therapie und die Ausweitung von Rechten führten seiner Annahme nach zu anschwellender Gewalt in der Gesellschaft. In seiner utopischen Gesellschaft gibt es keine Therapie und für bestimmte Vergehen gibt es nur den Strang. Dargestellt wird das in <em>Starship Troopers</em> am Fall des Soldaten Dillinger.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Verantwortungsbewusstsein als Staatsmaxime</h3>
<p style="text-align: justify;">Das Regierungssystem ist eine multiethnische Meritokratie, in der Bürger- und Individualrechte streng vom Wahlrecht getrennt sind. Letzteres muss sich jeder verdienen. Seine Idee dahinter ist, dass das Wahlrecht aus der Verantwortung entsteht, nur wer weiß, wofür er kämpft, sein Leben für diese Sache in die Wagschale geworfen hat, wer Pflicht- und Verantwortungsgefühl bewiesen hat, nur derjenige kann eine rationale politische Entscheidung treffen. Der Eintritt in den Bundesdienst ist sogar ein konstitutionell verbrieftes Recht. Wer eintreten will, muss aufgenommen werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Heinlein greift die Idee antiker Vorbilder auf: Die Spartaner waren die Vollbürger Spartas, deren Erziehung durch Abhärtung, Kampfsport, Disziplin und Verbot aller das leben erleichternden Bequemlichkeiten geprägt war. Ihre Ausbildung beinhaltete auch das Lesen und Schreiben. Platon nimmt in seinem idealen Staat Bezug darauf, indem er die Wächter als tragenden Stand ins Leben ruft, die gleichsam Seele und Körper ertüchtigen.</p>
<p style="text-align: justify;">Heinlein schreibt, dass die Föderation sich selbst nicht als perfekt betrachtet, aber funktioniert. Auch Rom funktionierte, obgleich nicht perfekt, 500 Jahre lang, weil die Regierenden erkannt hatten, dass der Schlüssel im Verstehen von Rechten und Pflichten der Bürger lag.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Krieg ist kein Selbstzweck</h3>
<p style="text-align: justify;">Wann der Krieg gegen die Bugs begann, spielt für Heinlein keine Rolle. Das ist ein Manko, denn derartiges Räsonnement wäre dem Buch nicht abträglich gewesen. Andererseits herrschte in den 1950er Jahren die Ansicht vor, Gewalt sei eine Lösung, um des Überlebens willen. Aber, und auch hier steht die Mentalität ganz unter antiken Vorzeichen: Si vis pacem para bellum. Heinlein sieht, als ehemaliger Marineoffizier ganz in clausewitzscher Tradition stehend, den Krieg als Fortführung der Politik mit anderen Mitteln. Anders ist die Aussage, „Krieg ist kontrollierte Gewalt für einen Zweck“ nicht zu interpretieren.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Manipulation und Kontrolle durch Drogen</h3>
<p style="text-align: justify;">Was beim Lesen der Sekundärliteratur auffällt ist, dass die Rolle von Hypnose und Drogen in der Rezeption kaum Beachtung findet. Heinlein stellt dies als Notwendigkeit zur Steigerung der Effizienz dar, ist aber auch gleichzeitig eine Erklärung dafür, weshalb Rico sein Tun nicht kritisch reflektiert, es im Gegenteil gutheißt und begründet. Drogen und Hypnose sind ein Mittel der Kontrolle und Steuerung, die bereits in der Geschichte des Krieges Anwendung fand.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Heinlein, Faschist oder Libertärer?</h3>
<p style="text-align: justify;">Heinlein wird wechselweise als faschistisch, militaristisch, reaktionär, konservativ, liberal oder libertär, bezeichnet, gleichzeitig finden sich in <em>Starship Troopers</em> zahlreiche Bezugnahmen auf unterschiedliche politische Theoretiker. Allein die Tatsache, dass Nationalität und Ethnie in <em>Starship Troopers</em> keine Rolle spielen, jeder Bürgerrechte besitzt und die Bedeutung der individuellen Freiheitsrechte des Menschen hochgehalten werden, relativieren den Faschismusvorwurf.</p>
<p style="text-align: justify;">Heinlein als Libertären par excellence zu bezeichnen, nur weil die libertäre Bewegung Bezug auf ihn nimmt, trifft nicht den Kern seines Schaffens. Im Grunde vertritt Heinlein die klassischen amerikanischen Werte. Gewalt und Krieg sind bei Heinlein jedoch eine existentielle, anthropologische Grundkonstante. Das widerspricht libertären Annahmen.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Fazit: Typisch amerikanisch</h3>
<p style="text-align: justify;">Will man Heinleins Werk im Allgemeinen und <em>Starship Troopers</em> im Speziellen in einem Satz zusammenfassen, ist eine Erkenntnis von Robert Scholes und Eric S. Rabkin am Besten dazu geeignet, indem Sie Heinlein als „the most typically American writer in all the rankes of science fiction“ [1] bezeichnen. Heinlein zeichnet sich durch den spezifischen amerikanischen Patriotismus und den Bezug auf klassische amerikanische Wertvorstellungen aus, weshalb ihm bereits in den 1940er Jahren nachgesagt wurde, er schreibe die zukünftige amerikanische Geschichte.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Quellen und Literatur</h3>
<ul style="text-align: justify;">
<li>
<address>Birkenhauer, Franz: <i>Kein Staat, kein Gott.</i> In: sf magazin vom 14.07.2009. (<a href="http://www.sf-magazin.de/robert-a.-heinlein-fremder-in-einer-fremden-welt,192.html" target="_blank">Link</a>)</address>
</li>
<li>
<address>Brodocz, André; Gary S. Schaal: <i>Politische Theorien der Gegenwart I</i>.</address>
</li>
<li>
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</ul>
<div>
<h3 style="text-align: justify;">Fußnoten</h3>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div id="edn1">
<address style="text-align: justify;"><em>[1] Robert Scholes and Eric S. Rabkin: Science Fiction: History, Science, Vision. New York: Oxford UP. 1977. Zitiert in: Rafeeq O. McGiveron: &#8220;Starry-eyed internationalists&#8221; versus the Social Darwinists: Heinlein&#8217;s transnational governments. In ähnlicher Richtung äußert sich auch Dath: irdisch. „Er war unter den amerikanischen Schriftstellern der Epoche wohl nicht der größte, aber unter den unbestreitbar Großen sicher der amerikanischste“.</em></address>
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		<title>Caragh OBrien: Der Weg der gefallenen Sterne</title>
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		<pubDate>Wed, 01 May 2013 10:15:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>chaosbaerchen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rezension zu Caragh O’Briens dystopischem Jugendroman Der Weg der gefallenen Sterne Eine Buchbesprechung von chaosbaerchen Der Weg der gefallenen Sterne ist der letzte Teil von Caragh O’Briens Trilogie, die unter dem Originaltitel Birthmarked erschienen ist. Die Welt des Romans Im 25. Jahrhundert beschränkt sich die Welt weitgehend auf Ödland und Trockenseen. Klimawandel, Krankheiten und der [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: center;" align="center">Rezension zu Caragh O’Briens dystopischem Jugendroman <em>Der Weg der gefallenen Sterne</em></h1>
<h2 align="center">Eine Buchbesprechung von chaosbaerchen</h2>
<p style="text-align: justify;"><i><img class="cover alignleft" alt="OBrien-Der Weg der gefallenen Sterne" src="http://dystopischeliteratur.org/wordpress/wp-content/uploads/2013/03/OBrien-Der-Weg-der-gefallenen-Sterne.jpg" width="195" height="313" />Der Weg der gefallenen Sterne </i>ist der letzte Teil von <i>Caragh O’Briens</i> Trilogie, die unter dem Originaltitel <i>Birthmarked</i> erschienen ist.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Die Welt des Romans</h3>
<p style="text-align: justify;">Im 25. Jahrhundert beschränkt sich die Welt weitgehend auf Ödland und Trockenseen. Klimawandel, Krankheiten und der Kalte Krieg haben Öl und Treibstoff als Energiequellen zunichte gemacht und die Menschheit weitgehend ausgerottet.</p>
<p style="text-align: justify;">Eine Gruppe Überlebender hat sich jedoch zusammengeschlossen und mit Hilfe von Sonnenkraft, geothermischer Energie und dem Züchten von eiweißreichen Pilzen einen gewissen Lebensstandard aufgebaut. Diese Enklave hat sich mit einer bewachten Mauer nach außen abgegrenzt. Alle Menschen, die später nach und nach aus dem Ödland gekommen sind, haben sich vor der Mauer ansiedeln müssen. Armut und Abhängigkeit von den Gütern der Enklave hätten sie über kurz oder lang umgebracht, wäre da nicht etwas, was sie haben und an dem es der Enklave mangelt: Fruchtbarkeit und widerstandsfähige Gesundheit. Trotz Luxus werden innerhalb der Mauern nicht nur zu wenige Kinder geboren, sondern die Kinder sterben auch spätestens als Teenager an der Bluterkrankheit Hämophilie, bedingt durch einen genetischen Defekt, der im unweigerlichen Inzest der Enklavenbewohner seine Begründung findet.</p>
<p style="text-align: justify;">Fernab von der Enklave, umgeben von Ödland und jenseits des Toten Waldes, gibt es eine weitere Menschensiedlung, die matriarchalisch organisiert ist und sich Sylum nennt. Hier kämpfen die Menschen mit ganz anderen Problemen. Da vorwiegend Jungen geboren werden und diese auch noch größtenteils unfruchtbar sind, ist die Zukunft von Sylum ungewiss. Selbst die Regel, dass jede Frau zehn oder mehr Kinder in die Welt zu setzen hat, bringt kaum die erwünschte Stabilität der Bevölkerungszahl. Hinzu kommt die sogenannte Schwellenkrankheit, die die Bewohner dazu zwingt, in Sylum zu bleiben – eine Flucht ins Ödland ist unweigerlich tödlich.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Der Inhalt</h3>
<p style="text-align: justify;">Die inzwischen 17jährige Protagonistin <i>Gaia Stone</i> ist Matriach von Sylum und mit Leon liiert. Sie hat erkannt, dass Sylum dem Untergang geweiht ist und die mit Opiaten gesättigte Luft sowie das verseuchte Wasser schuld sind an den Fortpflanzungsproblemen. Dank der entschlüsselten Aufzeichnungen ihrer Großmutter hat Gaia aber ein Mittel gegen die Schwellenkrankheit finden können, das eine Flucht über die Grenzen von Sylum hinweg ermöglicht. Sie zieht nun also mit Leon, ihrer Schwester Maya und den 1800 Bewohnern von Sylum in einer Karawane Richtung Enklave, weil sie sich dort neu ansiedeln möchte. Auf dem nahe ihrer Heimatstadt Wharfton gelegenen Trockenseegebiet soll New Sylum entstehen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Enklave für die Wasserversorgung aufkommt und dies ist in Anbetracht der Erfahrungen, die Gaia und Leon mit dessen Vater, dem Protektor der Enklave, gemacht haben, eher fraglich. Zumal letzterer noch eine ganz spezielle Rechnung mit Gaia offen hat. Dennoch ist die Protagonistin – gestärkt durch die Anerkennung ihrer Leute und ihre verantwortungsvolle Position als Matriarch – voller Optimismus und riskiert mit ihrem mutigen Widerstand nicht nur ihr eigenes Leben.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Beurteilung</h3>
<p style="text-align: justify;"><i>Caragh O’Brien</i> schreibt gewohnt flüssig und detailverliebt. Der dritte Teil der Trilogie ist ein gelungenes Finale. Das 350 Seiten dicke Buch ist in 24 Kapitel unterteilt und durch die aussagekräftigen Überschriften nicht nur gut strukturiert, sondern bei Bedarf auch dosierbar.</p>
<p style="text-align: justify;">Obwohl die Autorin auf eine Zusammenfassung der vorangegangenen Teile verzichtet, kommt man schnell rein in die Geschichte und erinnert sich an die Vorgeschichte. Hilfreich ist dabei auch eine Kartenskizze vorne im Buch.</p>
<p style="text-align: justify;">Mir hat dieser letzte Teil der Trilogie, in dem die Themen Leihmutterschaft und Ressourcenknappheit im Vordergrund stehen, am besten gefallen, auch wenn es ähnlich wie im ersten Band mitunter recht brutal und blutrünstig zugeht, was ich eigentlich nicht so sehr mag. Da aber jedwede Spannungselemente und Nervenkitzel recht schnell aufgelöst werden und vieles vorhersehbar ist, fiel dies nicht so sehr ins Gewicht und hat mich letztlich auch nicht gestört. Alles in allem ist die Trilogie trotz Action hier und da kein Thriller, sondern vielmehr ein tiefgründiger und dystopisch angehauchter Fantasyroman, der den Leser zum Denken anregt und Mut macht, Missstände nicht einfach hinzunehmen, sondern in Frage zu stellen.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Fazit</h3>
<p style="text-align: justify;">Mit diesem dritten Teil hat die Geschichte über die junge Hebamme Gaia Stone im 25. Jahrhundert einen gelungen Abschluss gefunden. Dem Leser werden zahlreiche gesellschaftskritische und umweltbezogene Denkanstöße geliefert, ohne dass dabei die Unterhaltung zu kurz kommt. Somit handelt es sich um eine kurzweilige Lektüre – nicht nur für die junge Leserschaft.</p>
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