Sterbende-Sonne-Szenario

Das Sterbende-Sonne-Szenario

Courtesy of SOHO/[EIT] consortium. SOHO is a project of international cooperation between ESA and NASA.

Ein Bild unseres freundlichen Zentralgestirns aus den Archiven des SOHO/EIT-Projektes (NASA & ESA)

Sie spendet Licht, sie spendet Wärme, kurz: Sie ermöglicht erst das Leben auf unserem Planeten -  die Rede ist natürlich von unserer Sonne. Kein Wunder, dass sie oft zum zentralen Gegenstand religiöser Verehrung wurde. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist Echnatons [welcher den Namen seines Gottes übrigens schon im Namen trägt] Sonnensong : Schön erscheinst du am Horizont des Himmels, du lebendige Sonne, die das Leben bestimmt! [Quelle: Erik Hornung: Echnaton – Die Religion des Lichts, Artemis & Winkler Verlag, 2000]

Aber hinter den meisten der  zahlreichen Lobeshymnen, die in den letzten Jahrtausenden auf unser Zentralgestirn gedichtet und gesungen wurden, stand auch die Angst, dass das lebensspendende Rätsel am Himmel eines Tages verlöschen könnte. Inspiriert durch die erschreckenden Wetterkapriolen  und eine zunehmende Dunkelheit infolge des Ausbruch des Vulkans Tambora dichtete George Byron 1816 in Darkness folgenden literarischen Vorgeschmack auf das drohende Ende allen menschlichen Lebens:

I had a dream, which was not all a dream.
The bright sun was extinguish’d, and the stars
Did wander darkling in the eternal space,
Rayless, and pathless, and the icy earth
Swung blind and blackening in the moonless air [...]

Zwar äußert schon David Hume in seiner Enquiry concerning human understanding (1751) philosophische Zweifel daran, ob man aus der langjährigen Beobachtung, dass die Sonne bisher jeden Morgen aufgegangen ist, schließen könne, dass sie es morgen wieder tun wird – doch mit einem plötzlichen Verlöschen wird auch er kaum gerechnet haben. Erst die Interpretation der Frauenhofer’sche Linien als Absorptionslinien verschiedener Elemente durch  Robert Bunsen und Gustav Robert Kirchhoff) ermöglichten dann Ende des 19. Jahrhunderts nach und nach die Entdeckung, dass die Sonne aufgrund von Gasen leuchtet bzw. brennt. Da es unwahrscheinlich erschien, dass die Sonne über einen unendlichen Vorrat an Brennstoff verfügte, bot sich hier ein neues Szenario einer entfernten Apokalypse, das H.G. Wells am Ende seines Romans Die Zeitmaschine folgendermaßen beschreibt:

Es war faszinierend mitanzusehen, wie die Sonne am westlichen Himmel immer größer und matter wurde und das Leben der alten Erde allmählich verebbte. Zuletzt mehr als 30 Millionen Jahre von heute an gerechnet, verdeckte der rotglühende Sonnenball bereits mehr als ein Zehntel des dämmrigen Himmels… Eisige Kälte überkam mich.

Auch William Hope Hodgson lässt in seinem gruseligen Roman The House on the Borderland die Sonne langsam ausgehen. Und diese frühen Schilderungen einer zu einem Roten Riesen aufgeblähten Sonne und einer von phantastischen Wesen bevölkerten Welt, in welcher sich die Naturgesetze verändert erscheinen, zeitigten zahlreiche Nachfolger:  Im 20. Jahrhundert bildete sich sogar nach und nach ein eigenes Subgenre des Science Fiction bzw. der Science Fantasy aus. Bedeutenden Einfluss hatte hier der amerikanische Schriftsteller Jack Vance, der mit dem Titel seiner Romanreihe The Dying Earth (1950) namensgebend war. Ebenso wie in Gene Wolfs vierteiligem Roman The Book of the new Sun (1980-1983) ist hier am Ende der Zeit Magie allgegenwärtig und seltsame Kreaturen bewohnen eine Erde, die nach und nach erkaltet, was nicht nur zu der äußerst düsteren Stimmung, die dieses Genre auszeichnet, führt, sondern auch zu einer utopielosen Haltung bzw. resignativen Lebenseinstellung der Figuren [Artikel mit weiteren Titeln und Hinweisen zum Dying-Earth-Genre].

Von einem solchen unterkühlten Pessimsmus sollte sich der Leser aber nicht anstecken lassen, denn die Temperaturen werden nicht, wie in Edmond Hamiltons S.O.S. die erkaltet, sinken, sondern vielmehr steigen. Und in 900 Millionen Jahren ist es dann vermutlich soweit: Während die Sonne zu einem hungrigen Roten Riesen heranwächst, der zuletzt nach und nach die inneren Planeten seines Systems verschlingt, erreicht die Erdoberfläche eine für Lebewesen kritische Temperatur [Quelle: Wikipedia].

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