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Rezension zu Kristen Simmons Roman Artikel 5
Eine Buchbesprechung von Aisling
Ich bin ehrlich: Artikel 5 wollte ich zu 80 % nur lesen, weil es bei ivi erschienen ist. Eigentlich wollte ich nicht wieder eine Trilogie anfangen, aber die Bücher von ivi waren bisher immer gut und mich hat genau der letzte Satz vom Klappentext neugierig gemacht: “Man muss einfach wissen, was den Mann dazu getrieben hat, seine Freundin zu verraten.”
Ember ist ein Artikel 5, ein unehelich gezeugtes Kind. Sie und ihre Mutter fliegen auf, weil der frühere Nachbar sie verraten hat: Chase, Embers große Liebe, der zum Militär gegangen ist. Ember kommt in eine Resozialisierungsanstalt, in der sie erlebt, wie das System funktioniert und dass es nicht das ist, für was sie es gehalten hat. Sie sorgt sich um ihre Mutter und will nichts lieber als raus aus der Anstalt, um sie zu retten. Bei dem Versuch wird sie jedoch geschnappt. Bevor ihr Gewalt angetan werden kann, kommt ihr ausgerechnet jener Mensch zur Hilfe, der sie überhaupt erst in diese Situation gebracht hat: Chase. Er hat Embers Mutter versprochen, sie in ein sicheres Haus zu bringen und nutzt nun seinen Status als Soldat, um ihr zu helfen. Allerdings begibt er sich dafür selbst in Gefahr, denn er wird fahnenflüchtig. Den Schleuser zu finden, der die beiden in Sicherheit bringen soll, gestaltet sich jedoch schwierig. Schaffen sie es?
Idee und Plot
Die Idee finde ich ehrlich gesagt nicht wirklich innovativ. Allerdings gibt es in Amerika Gegenden, die sehr scharfe Moralvorstellungen haben und so ist ein Roman mit dieser Thematik dort sicher interessant. Was ich aber wirklich ansprechend fand, war die Tatsache, dass die große Liebe der Verräter ist.
Mir hat der Plot sehr gut gefallen. Es geht gleich am Anfang los und schnell hat man alles vom Klappentext in der Handlung wiedergefunden. Das Beste: Zu dem Zeitpunkt hat man fast das ganze Buch noch vor sich! Die Drehungen und Wendungen machen die Handlung spannend und man rätselt eine ganze Zeit, ob man mit der Vermutung, was es mit Chases Verhalten auf sich hat, richtig liegt. Manche Dinge waren für mich vorhersehbar, aber das hat meine Leselust nicht getrübt. Ganz im Gegenteil, ich war gefesselt und musste weiterlesen. Als Film würde sich die Geschichte in meinen Augen sehr gut machen.
Schreibstil
Bingo! Wieder mal Ich-Perspektive im Präteritum. Ich liebe es. Vor allem sehr gut gemacht, was Dinge anbelangt, die bei anderen Personen passieren. Der Roman lässt sich leicht und schnell lesen, bleibt aber trotzdem spannend. Gleich von Anfang an gelingt es der Autorin, eine bedrückende Atmosphäre zu schaffen – und dennoch hofft man mit Ember mit, die sich so durch einen Großteil des Buches bewegt. Details wie das langsame Verheilen von Narben werden toll in die Handlung eingefügt. Ambers Beobachtungen über Mimik und Verhalten von Chase und ihre damit verbundenen Gefühle gehen sehr nah.
Charaktere
Vor allem Chase hat mir sehr gut gefallen. Auf mich wirkt er noch durchdachter als Ember, obwohl alle Charaktere, sowie auch die Nebenfiguren viel Liebe zum Detail erhalten haben. Ich will nicht spoilern, deshalb geh ich nicht ins Detail, aber ich mag seinen inneren Antrieb. Auch Embers Liebe zu ihrer Mutter ist bedingungslos und man versteht, warum sie für sie alles riskieren will. Sehr gefallen hat mir vor allem die Beziehung zwischen Ember und Chase. Diese typischen Missverständnisse zwischen Männer und Frauen. Dieses aneinander vorbeireden. Toll eingefangenen. Das macht die Figuren so echt.
Hintergrund
Ich möchte eigentlich nicht erwähnen, an was die Statuten erinnern und vor allem die Soldaten und was mit den Menschen passiert, die aus der Reihe tanzen. Man merkt aber, dass sich da jemand Gedanken gemacht hat, wie eine Welt mit solchen Moralvorstellungen aussieht. Gerne hätte ich mehr darüber erfahren, wie und warum es genau zu den Statuten kam. Es wird zwar angerissen, aber ich möchte mehr und hoffe auf die Fortsetzungen.
Fazit
Ich bin mit null Erwartungen an Artikel 5 herangegangen, wollte nur diesem letzten Satz vom Klappentext auf den Grund gehen. Bekommen habe ich ein Leservergnügen, was mich die Seiten nur so hat umblättern lassen. Es war wieder eines dieser Bücher, die ich überall mithinschleppe und wo sich auch nur ein kleiner Absatz zwischendurch lohnt. Meist bin ich jedes Mal gefesselt worden. Ich habe einige Dystopien/Endzeitgeschichten gelesen, aber diese bestach vor allem durch die beiden Hauptcharaktere, ihre Interaktion und Antrieb. Das hat Artikel 5 für mich besonders gemacht.