Etymologie des Begriffes Dystopie

Etymologie des Begriffes ‘Dystopie’

Die Herkunft des Wortes ‘Dystopie’

Die erste Verwendung des Wortes Dystopie lässt sich, so behauptet es das English Oxford Dictionary*, für das Jahr 1868 nachweisen. Der berühmte englische Abgeordnete John Stuart Mill es in einer Rede vor dem britischen Parlament:

„It is, perhaps, too complimentary to call them Utopians, they ought rather to be called dys-topians, or caco-topians. What is commonly called Utopian is something too good to be practicable; but what they appear to favour is too bad to be practicable.“ (Quelle: Wikipedia)

Deutlich wird dabei, dass Mill ihn als antagonistischen Begriff zur Utopie gebraucht, vielleicht sogar neu schöpft. Letzteren hatte Thomas Morus als Titel für seine staatstheoretische dialogische Schrift Utopia erstmals verwendet, sie erschien im Jahre 1516 in Rotterdam unter dem vollständigen Titel: De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia. Morus schildert in ihr eine nach seinen Vorstellungen perfekt organisierte Gesellschaft, die sich auf einer nicht zu lokalisierenden Insel befindet. Die Konstruktion des Begriffes Utopia aus den griechischen Wörtern ou (kein) und topos (Ort) macht dem Leser dabei schon zu Beginn deutlich, dass Utopia von einer Gesellschaft handelt, die fiktiv ist.

Wie Bellford mit seiner Bezeichnung cacotopians sucht Mills nach einer Bezeichnung für jene Menschen, deren utopische Planungen seiner Ansicht nach als Ergebnis den schlimmst-möglichen bzw. -vorstellbaren Staat hätten.**

Die wissenschaftliche Verwendung der Bezeichnung ‘Dystopie’

Noch Huxley referiert in seinem Nachwort auf Brave New World als eine Utopie. Erst 1952 schlug J. Max Patrick vor, das Feld der Utopie in Eutopie – also positive Zukunftsentwürfe – und Dystopie – negative Zukunftsentwürfe zu unterteilen. In den folgenden Jahren setzte sich der Begriff vor allem im englischsprachigen Raum gegenüber zahlreichen konkurrierenden Termini als Bezeichnung für jene Texte durch, die in der deutschen Forschung vornehmlich als Anti-Utopien beschrieben werden (Je nach Definition des Begriffes Dystopie kann jedoch auch zwischen Anti-Utopie und Dystopie unterschieden werden).

Aktuelle Tendenzen

Seit wenigen Jahren gewinnt die Bezeichnung Dystopie gegenüber jener der Anti-Utopie auch im deutschsprachigen Raum zunehmend an Boden. Spätestens seit der belletristischen Flut negativer Zukunftsentwürfe im Jahre 2011 ist die ‘Dystopie‘ in aller Munde. Der Begriff hat sich überraschenderweise von einem (zwar unterschiedlich definierten, aber doch recht präzisen) fachwissenschaftlichen Terminus zu einem verkaufsfördernden Etikett entwickelt, mit dem seitens der Verlage jeder belletristische Roman versehen wird, der mit einen negativen Zukunftsentwurf aufwarten kann. Im umgangssprachlichen Gebrauch sind dementsprechend auch kaum noch Unterschiede zum Begriff Dark Future zu erkennen (Betroffen hiervon sind allerdings nicht die postapokalyptischen Romane, welche selbst über eine verkaufsfördernde Genre-Bezeichnung verfügen). Bemerkt werden muss hier aber auch, dass schon seit einigen Jahrzehnten die Grenzen der Dystopie zu anderen Genres verschwimmen.

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