SF-002-Was macht eine gute Rezension aus?

It Is The Question That Drives Us

Was macht eine gute Rezension aus?

Schon wieder ist eine Woche um und Sonntag. Das Thema dieser Woche sind – natürlich nicht ganz uneigennützig ;) – Rezensionen:

Was macht für euch eine gute oder eine schlechte Rezension aus? Wie lang darf sie überhaupt sein, damit ihr sie ganz lest? Worauf sollte sie euerer Ansicht auf jeden Fall eingehen? Was seht ihr immer wieder, was eurer Ansicht nach eigentlich überflüssig ist? Was ist das absolute (Achtung Neusprech:) No-Go? Sollte sie eher persönlicher Natur sein oder sachlich argumentieren?

Ja, das sind schon wieder mal mehr Fragen geworden als eine… Wenn ihr eine Meinung zum Thema habt, benutzt hemmungslos die Kommentarfunktion (und wie immer: antwortet bitte nicht auf Twitter oder Facebook)

 

Und an die Webmaster unter oder in euch: Wenn ihr die Frage in eurem eigenen Blog zum Thema machen und die Leser dieser Seite auch an eurer Auffassung teilhaben lassen wollt, dann verlinkt euren eigenen Artikel in den Kommentaren oder setzt einen Pingback.

 

Schon 67 Kommentare zu: SF-002-Was macht eine gute Rezension aus?

  1. Pingback: Was macht eine gute Rezension aus? « Literaturblog von Nomadenseele

  2. Was macht für euch eine gute oder eine schlechte Rezension aus?

    Ein angenehmer Schreibstil, welchen ich für mich auch nicht in Anspruch nehmen kann. Er sollte flüssig zu lesen sein und keine Schachtelsätze wie bei mir enthalten.

    Wie lang darf sie überhaupt sein, damit ihr sie ganz lest?

    Nicht sehr lange. Ich denke immer noch mit Grauen an ein – außer von mir – hochgelobtes Literaturblog, dessen Autorin nie einen Schlusspunkt zu finden schien. Ich weiß nicht, ob ich dort jemals eine Rezension zu Ende gelesen habe.

    Mittellang finde ich ideal, damit es nicht nur ein paar Leseeindrücke sind, aber man auch nicht das Gefühl hat, endlos zu lesen.

    Worauf sollte sie eurer Ansicht auf jeden Fall eingehen?

    Auf den Schreibstil, Glaubwürdigkeit der Charaktere, Bezüge zum aktuellen Geschehen.

    Was seht ihr immer wieder, was eurer Ansicht nach eigentlich überflüssig ist?

    Danksagungen an Verlage bei Rezi-Exemplaren. Ich habe es auch eine Zeit gemacht, inzwischen nicht mehr.

    Was ist das absolute (Achtung Neusprech:) No-Go?

    Ohne Spoilerwarnung Twists und entscheidende Handlungselemente aufdecken.

    Sollte sie eher persönlicher Natur sein oder sachlich argumentieren?

    Möglichst beides. Mich interessiert durchaus, was andere aus den Büchern herauslesen, aber Sachargumente sollten auch behandelt werden.

    • Hallo Nomadenseele,
      ach ja, die Schachtelsätze… Ich persönlich neige ja zu Partizipialkonstruktionen, die den Artikel und das Nomen soweit wie möglich voneinander trennen… :(
      Bei den Danksagungen stimme ich dir voll und ganz zu. Das gehört da nicht mit hinein, genauso wie eine standardmäßige Beurteilung des Covers – das kann man mal machen, wenn es richtig schlecht oder gut ist, aber als regulär wichtiger Punkt?
      Wieviel ist denn deiner Ansicht nach zuviel? 300, 600 oder 1000 Wörter?
      Probleme habe ich, wenn nur persönlich geurteilt wird – also “Figur sympathisch, konnte mitleiden etc”.

      • genauso wie eine standardmäßige Beurteilung des Covers – das kann man mal machen, wenn es richtig schlecht oder gut ist, aber als regulär wichtiger Punkt?

        Wenn ein Cover mich zum Kauf verleitet hat****, dann erwähne ich das schon. Vielleicht könnte man das noch als *wichtiger Punkt in einer Rezi* aufnehmen – warum wurde das Buch erworben / gelesen? Andererseits könnte ich das auch nicht immer begründen, wenn ich mich einfach nur unterhalten lassen wollte.

        ***Beispiel: http://nomasliteraturblog.wordpress.com/2012/01/26/abgebrochen-der-junge-der-traume-schenkte/
        ____

        Bei den Danksagungen stimme ich dir voll und ganz zu. Das gehört da nicht mit hinein,

        Ich habe es auch einmal gemacht, nach einer Diskussion in einem anderen Blog eingesehen, dass es dort nicht hineingehört *. Das weckt unter Umständen nur Neidgefühle und hat auch nichts mit dem Buch zu tun.

        *http://sky-buchrezensionen.blogspot.de/2012/07/vorstellung-unabhangige-spamfreie.html.

        Wieviel ist denn deiner Ansicht nach zuviel? 300, 600 oder 1000 Wörter?

        Ich weiß nicht, ob es so angesagt ist, auf ein Blog zu verweisen, dessen Texte mir grundsätzlich zu lang sind. Ich habe eine Rezi von ihr genommen, die ich als durchschnittliche Länge entfand und bin auf gut 600 Wörter gekommen. Was mich verwundert, denn ich habe jedes Mal den Eindruck, die halbe Bibel zu lesen.

        Probleme habe ich, wenn nur persönlich geurteilt wird – also “Figur sympathisch, konnte mitleiden etc”.

        Wenn die Leser zu den Figuren keine Beziehung aufbauen können, ich das für mich schon wichtig zu wissen.

        • Das absolute Idealblog war für mich MyCrimeTime, welches leider gelöscht wurde.

          Interessante Bücher, ein erfischender Schreibstil und die Rezis hatten genau die richtige Länge.

        • Was ich mal gesehen haben und seit Neusten zu übernehmen versuche, sind Kurzübersichten am Ende der Rezi:

          Beispiel:

          Handlungsort: London
          Zeitraum: Herbst 1881
          Besonderheiten: ….

          • Das ist eine Möglichkeit… ich achte darauf, immer ein deutlich erkennbares Fazit ans Ende zu stellen, in dem ich konsequent alles zusammenfasse, so dass niemand die ganze Rezension lesen muss. Länder und Motive verschlagworte ich über die Tags.

          • Ich habe mir vorgenommen, das zusätzlich zum Fazit zu machen. Ob ich es durchhalte, ist eine andere Frage.

        • Genau das habe ich auch getan – und bin da auf ca. 800 Wörter gekommen. 600 bis 800 Wörter finde ich eigentlich nicht zu lang – das schaffe ich auch regelmäßig, wenn es nicht gerade ein platter Thriller ist – da reichen auch 500 ;) Meine ersten Rezensionen hier waren, glaube ich, über 1600 Wörter lang… das finde ich jetzt auch viel zu viel.

          • Im Grunde liegt das warscheinlich auch am Interesse, welches man dem Buch entgegenbringt. Nur bei besagten Blog tue ich mich sehr schwer Rezis zu Ende zu lesen, auch wenn sie gut geschrieben sind.
            In *Die Zeit* lese ich Rezis, die über mehrere Seiten gehen,
            Bei einigen Blogs sind mir 600-800 Wörter schon zu viel.

            Letztendlich sollte eine Rezi so lang sein, wie der Autor etwas zu sagen hat.

          • Reitschriebung sollte man noch als wichtigen Punkt aufnehmen, weshalb ich meine Rezis auch immer in Word schreibe.

            Wenn ich mir meine Kommentare hier durchlese, dann ich das auch besser so *hust*.

          • Für die Rechtschreibung habe ich ein Plugin, dass [SIC!] die Texte während des Abfassens in WordPress überprüft. Dennoch rutscht da hin und wieder mal was durch ;)

          • Vermutlich liegt der Eindruck von übermäßiger Länge bei diesen Rezensionen aber auch daran, dass keine einzige Überschrift den Text in konsumierbare Happen teilt und man auf eine einförmige Buchstabenwüste guckt. Das macht eine Menge aus.
            Bei Klassikern schlage ich regelmäßig über die Stränge, weil da noch andere Aspekte mit hineinspielen: z.B. Wirkung auf andere Autoren, Prototypisches fürs Genre und so weiter.

        • Ich habe mir mal die von dir verlinkte Rezension angeguckt. Gut finde ich auf jeden Fall die Länge (weniger als 600 Wörter) und dass bei einem solch rätselhaften Geschehen nichts vom Ende verraten wird. Das ist nicht leicht. Die Sprache ist angemessen – nicht gedrechselt, kein Seminarton (der sich so häufig bei mir einschleicht), aber auch nicht “platt”. Finde ich o.k. Dennoch ist die Rezi mir persönlich schon ein wenig zu subjektiv: Die Feststellungen werden nirgendwo begründet oder mal an ein paar Beispielen locker belegt. Das kann man zwar nicht überall machen, aber hin und wieder… wodurch der Text natürlich auch etwas länger wird. Ungünstig finde ich, dass der Inhalt 2x zusammengefasst wird: Einmal durch den vorangestellten Klappentext und einmal zu Beginn der Rezension. Da würde ich lieber auf den Klappentext verzichten.

          • Das mache ich im Moment auch, weil sich mein Blog – mal wieder – im Umbruch befindet. Früher habe ich Klappentext + Kurzvita des Autors zusammenkopiert, jetzt fasse ich den Inhalt selbst zusammen, weswegen beide Stile parallell laufen.

  3. Hmm, also ich finde es sehr nervig, wenn eine Rezi unstrukturiert ist und dann auch noch mit einer ausgiebigen Inhaltsangabe, die oft sogar einer Zusammenfassung gleicht, beginnt. Da brauche ich dann das Buch gar nicht mehr zu lesen, weil ich zu viel schon weiss. Das ist ärgerlich und meines Erachtens nicht Sinn einer Rezension.

    Für mich beginnt eine gute Rezi mit einer kurzen(!) Zusammenfassung, die auch subjektiv angehaucht sein darf. Den größten Teil der Rezi sollte das persönliche Urteil des Lesers ausmachen. Interessant finde ich vor allem, wie das Buch gewirkt und was es ausgelöst hat bzw. auch, welche Themen angesprochen wurden. Dabei sollte weniger auf den detaillierten Inhalt des Buches eingegangen werden, sondern mehr, was das Buch dem Leser an Denkanstößen bietet.

    Was ich auch wichtig finde, ist der Schreibstil und die Struktur des Buches.

    • Hallo Nina,
      ich finde auch, dass es eigentlich am besten ist, wenn man den Inhalt mit in die Beurteilung “einwebt” anstatt ihn gleich zu Beginn gesondert zusammenzufassen. Ersteres ist aber auch schwieriger zu schreiben, weil es mehr Geschick verlangt. Ich bin mir auch nicht sicher, ob diejenigen, die sich “schnell” über Inhalt und Beurteilung eines Buch informieren wollen nicht noch die zweite Variante vorziehen: Schnell Inhalt/Schnell Beurteilung.

      Ich hätte bei einem Verriss (und sonst auch ;) ) keine Probleme damit, den Inhalt höchst subjektiv zu komprimieren.

      Ich stimme dir zu: Es geht gar nicht, wenn die Rezension zu über 50% aus Inhaltswiedergabe besteht.

      Die Denkanstöße halte ich auch für wichtig – wenn sie denn dann kommen… aber ehrlich gesagt bei einer Großzahl von Romanen passiert das nicht. (Z.B. Thriller… mir ist das aber selbst bei den Tributen von Panem passiert… da wurde nichts angestoßen). Ich finde auch, man kann der Wirkung des Buches in der Rezension mal nachgehen: Wieso hat das so gut/gar nicht auf mich gewirkt. Was hat der Autor da Tolles/Blödes gemacht.

    • Finde ich auch. Auch wegen derjenigen, die so wenig Zeit haben…

      Und danke noch mal fürs Retweeten des Posts!

    • Hallo Christoph. Persönlich geschrieben: Ja. Man sollte unbedingt auch mal “Ich” sagen – darauf verzichten die professionellen Rezensenten in den Printmedien ja gerne, weil es dann gleich so viel sachlicher wirkt. Allerdings würde ich immer versuchen, meine persönliches Gefühl und die Wirkung des Buches auf mich am Roman selbst zu begründen.

      • Eine Begründung ist auch immer wichtig – denn nicht jeder Aspekt wirkt genauso auf einen anderen Leser. Natürlich nimmt man mit einer persönlichen Stellungnahme etwas der Wirkung der Literatur vorab weg und bedeutet dem zukünftigen Leser einen vorgefertigten Pfad. Aber das ist eben jene Gefahr von Rezensionen: sie können schon mal zu viel verraten :)

  4. Beginnen wir mal mit zwei weit verbreiteten Irrtümern: Eine Rezension muss nicht objektiv sein, sie soll vielmehr den subjektiven Eindruck des Rezensenten wiedergeben. Die Angst, zu viel vom Inhalt zu verraten – vor sogenannten Spoiler –, ist unnötig.

    Eine Besprechung muss ein Urteil enthalten, sonst bringt sie nichts, und dieses Urteil kann nie objektiv sein, sondern gibt die Einschätzung des Rezensenten wieder. Objektivität ist nicht erstrebenswert. Eine Kritik muss aber fair sein. Das heisst vor allem, dass ein Roman an seinem eigenen Anspruch gemessen werden soll. Wenn ein rasanter Thriller angestrebt wird, kann nicht die Tiefe der behandelten philosophischen Themen der Massstab sein, wenn es intellektuell anspruchsvoll sein soll, steht nicht die Rasanz der Actionszenen im Vordergrund.

    Dass eine Kritik subjektiv sein soll, heisst nicht, dass sie beliebig sein darf. Ich muss als Leser nachvollziehen können, wie das Urteil zustande kommt. Dabei sollten die Präferenzen des Rezensenten erkennbar werden. Im Idealfall erkenne ich als Leser, dass mir beispielsweise ein negativ besprochenes Buch durchaus gefallen könnte, weil ich nachvollziehen kann, dass die Interessen und Vorlieben des Rezensenten anders gelagert sind als meine.

    Eine Inhaltsangabe gehört natürlich zu einer Besprechung dazu; wie ausführlich sie ausfällt, hängt dabei primär davon ab, wie lange die Rezension ist und wie viel sich davon tatsächlich um den Plot dreht. Wenn die Rezension am Ende gar nicht gross auf den Plot eingeht, kann eine sehr grobe Skizze der Handlung reichen. Wenn aber beispielsweise eine bestimmte Szene ausführlicher besprochen wird, muss diese entsprechend eingeführt werden werden.

    Alle Arten von Sternchen oder Punktevergaben sind Schwachsinn und bringen rein gar nichts. Weitaus wichtiger als eine derartige pseudo-präzise Bewertung ist die Einbettung des besprochenen Werks. Wo sind Buch und Autor zu Hause, in welchem Umfeld sind sie entstanden, wie wurden sie aufgenommen, welche Rolle spielen literaturgeschichtlich, in Bezug auf das Genre, das Ouevre des Autors etc. etc. Das muss nicht alles in eine Rezension einfliessen, als Leser muss ich aber eine Ahnung kriegen, wo ein bestimmtes Werk herkommt und welches Vorwissen ich allenfalls mitbringen sollte.

    Keine Angst vor Spoilern: Wenn es zentrale Wendepunkte gibt, die für die Rezension wichtig sind, dann kann man diese auch erzählen. Ein gelungenes Buch muss auch funktionieren, wenn man solche Dinge in einer Besprechung vorwegnimmt. Oder anders herum: Wenn die Qualität das Leseerlebnisses einzig davon abhängt, dass man einen bestimmten Clou (noch) nicht weiss, kann das Buch nicht viel taugen.

    Am Ende das Wichtigste: Eine gute Rezension sollte an sich lesenswert sein und nicht bloss eine dürre Aneinanderreihung von Fakten. Eine Buchbesprechung ist ein sprachliches Kunstwerk, das mich durch seinen Geist fesseln und animieren soll.

    • Hallo Herr Spiegel, ich danke dir für deinen schönen Beitrag zur Diskussion.

      Ich stimme deiner Auffassung, was Punktevergaben angeht, zu. Womöglich noch mit einer Skala von 1-10… Deshalb habe ich, als ich hier zu rezensieren angefangen habe auch nur 3 Schubladen gebildet: ‘Lies es’, ‘kannst du lesen’ und ‘beklag dich nachher nicht’.

      Was Rezensionen sonst noch leisten sollten: Auch da gehe ich mit dir d’accord. Allerdings nimmt die Bedeutung der Verweise auf die Literaturgeschichte, Vorbilder, Nachfolger und Reminiszenzen erst mit der Bedeutung des Werkes zu.

      Du hast die Beliebigkeit des Urteilens angesprochen. Normalerweise dürfte sich dieses Problem gar nicht ergeben, weil die Wertmaßstäbe, nach denen geurteilt wird, immer implizit transportiert und mitgelesen werden. D.h. man braucht seine Kriterien nicht (ununterbrochen) explizit zu formulieren.

      Dass Werke aus ihrem historischen und literarischen Kontext heraus beurteilt werden sollten, ist richtig. Man kann nicht die gleichen Maßstäbe an einen Thriller wie an einen Gesellschaftsroman anlegen. Wichtig finde ich dabei aber, dass nicht nur wirkungsorientiert (“Langweilig!”) argumentiert, sondern auch merkmalsbezogen (“Der erzählt ja immer das Gleiche!”) geurteilt wird. Natürlich kann ein Werturteil immer nur ein Werturteil sein – wie du angemerkt hast – und keine Tatsachenaussage. Dennoch sollte der Anspruch sein, die (immer) subjektive Kritik so nachvollziehbar wie möglich darzulegen. Nicht nur für andere Leser. Das haben auch der Autor oder der Übersetzer verdient. Und ich glaube, da liegen wir nicht weit auseinander

      Die von dir zuletzt betonte Unterhaltungsfunktion der Gattung “Rezension” ist jedoch natürlich nur eine unter vielen – und tatsächlich sollten die von dir genannten Punkte auch der Maßstab sein, an dem sich eine klassische Rezension unter ästhetischen Gesichtpunkten messen lassen sollte. Aber dass diese Form weitgehend auf die Printmedien beschränkt geblieben ist und sich im Internet nicht wirklich durchsetzen konnte, hat meiner Meinung nach weniger mit dem Boom von Bewertungssystemen in Online-Kaufhäusern zu tun oder mit der Zunahme von Texten, die von “Laien” (Anmerkung: Ich verwende den Begriff jetzt so, wie er kürzlich von einem entnervten Journalisten gegen “Literaturblogs” ins Feld geführt wurde) , sondern auch mit dem Medium “Internet” selbst. Womöglich muss man hier andere Beurteilungskriterien anlegen? Treten hier nicht andere Funktionen in den Vordergrund? Die Rezensionen erinnern vielleicht eher aufgrund des Mediums selbst häufig eher an Buchtipps als an klassische Rezensionen. Dennoch bleibt der das Ziel, selbst mit seiner Besprechung ein ästhetisch gelungenes Werk zu schaffen, – wie sagt man so schön: ein Desiderat.

      Den schwierigsten Punkt wie immer zuletzt: Ich bin wirklich unsicher, ob ich dir zustimmen soll, was die Irrelevanz von “Spoilern” angeht. Natürlich funktioniert Kleists “Zerbrochener Krug” auch noch, wenn man das Ende vorher kennt (habe ich eben tatsächlich Kleist als Beispiel angeführt?!?!? :o ). Und auch noch beim dritten oder vierten Sehen: Weil es gut gemachte Literatur ist. Dennoch: Es gibt durchaus eine Reihe von Romanen, denen bei der Erstlektüre etwas von der Wirkung gefehlt hätte, wenn mir das Ende zuvor bekannt gewesen wäre. Aber: Ich bin unentschieden.

      • Idealerweise sollten sich die Massstäbe implizit ergeben, da gebe ich Dir Recht. Mit Einbettung meine ich übrigens keineswegs nur literaturgeschichtliche Hinweise. Das kann auch ganz Banales sein wie “Autor xy hat bisher vor allem abc geschrieben, das zeigt sich im neuen Roman an blabla” oder “Dieser Roman baut teilweise auf den Roman xy auf, der sehr erfolgreich war.”

        Einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Print- und Online-Rezensionen sehe ich dagegen nicht. Sicher wird online viel veröffentlicht, was den von mir formulierten Anspruch nicht erfüllt, daraus brauch man aber nicht abzuleiten, dass es online so sein muss. Und es gibt ja genug Orte im Netz, an denen man diesbezüglich ganz “altmodischen” Traditionen folgt.

        Im Netz wird viel hingeschludert, was im Print im Lektorat hängen bleiben würde. Aber zumindest auf mich hat es einen negativen Effekt, wenn eine Rezension schlampig geschrieben ist, vor Fehlern strotzt und der Rezensent offensichtlich mit der deutschen Sprache auf Kriegfuss steht und keinen lesenswerten zustande bringt. Damit disqualifiziert sich er sich ein Stück weit selbst und ich tendiere dann dazu, das entsprechende Urteil nicht ernst zu nehmen. (Das Andere ist natürlich die Frage der Länge. Bei einer Kurzkritik ist es offensichtlich schwieriger, meinen Anspruch zu erfüllen. Aber grundsätzlich ermöglicht das Netz eigentlich viel längere Texte als eine Zeitung, bei der der Textumfang in jedem Fall begrenzt ist).

        Zu den Spoliern: Ich würde nun auch nicht den Clou von «The Fifth Sense» an den Beginn einer Kritik zu setzen. Aber insgesamt möchte ich schon ein bisschen Gegensteuer zu der weit verbreiteten Spoiler-Angst geben. In gewissen Foren kann man fast nicht mehr über den Plot eines Films oder Roman sprechen, ohne dass irgend jemand “Spoiler” ruft. Nach meiner Auffassung ist es aber ein grundsätzlicher Irrtum zu glauben, dass der Wert eines gelungenen Romans einzig in den raffinierten Wendungen des Plots liegt.

        • Dass viele der online veröffentlichten Texte niemals in den Printmedien erscheinen würden, weil vorher der Lektor ihnen ein Ende in ‘Ablage P’ bereiten würde, steht außer Frage. Und meistens weniger wegen der Inhalte sondern vielmehr wegen der sprachlichen und stilistischen Mängel. Aber: Sie erreichen ein Publikum, das sie interessiert zur Kenntnis nimmt und das vor 30 Jahren vermutlich auf Mundpropaganda angewiesen gewesen wäre (schauderhafter Stil, ich weiß).

          Deshalb: Wenn ich mir eine Zeitung wie die FAZ anschaue, dann adressieren die Autoren die Rezensionen an einen bestimmten Leserkreis. Und sie würden diese auch anders – nicht nur sprachlich – verfassen, wenn sich die zahlungswillige Kundschaft verändern würde. Im Internet ist dieses aber völlig anders: Nicht nur, dass die Texte im Vergleich zu Besprechungen in den Printmedien ausgesprochen kurz sein müssen – sie sprechen potentiell erst einmal alle Menschen an, die im Internet unterwegs sind. Und viele davon wollen nur eine kurzen Hinweis – sprich: Tipp – vermutlich lesen nicht wenige auch die Texte nur, weil sie auf der Suche nach einer bestimmten Information sind. Selbst die Leser dieses Blogs haben da höchst unterschiedliche Erwartungen. Inwieweit da noch eine Rezension als ein unter ästhetischen Gesichtspunkten zu beurteilendes Gesamtkunstwerk betrachtet werden kann, ist fraglich. Natürlich gibt es auch sehr gut geschriebene, extrem kurze Rezensionen – wie die von Jim Melzig auf X-Zine. Die gefallen mir sehr. Kürze muss natürlich nicht mit mangelnder Qualität einhergehen.

          Zu den Spoilern: Dass hier die überraschende Wendung als Qualitätsmerkmal überbetont wird, stimmt. Allerdings gibt es zahlreiche Romane, die gerade (oder nur) deshalb lesenswert sind. Natürlich ist das dann nie Hochliteratur. Wenn ich einen Roman richtig schlecht finde und das betrifft vor allem das Ende – so wie in Webers “Der Widerstand”, dann habe ich da auch keine Hemmungen, das Ende zu verraten. Meistens ist das aber selbst dann nicht unbedingt nötig. Man kann das nämlich auch so verpacken, dass es rätselhaft bleibt.

    • Beginnen wir mal mit zwei weit verbreiteten Irrtümern: Eine Rezension muss nicht objektiv sein, sie soll vielmehr den subjektiven Eindruck des Rezensenten wiedergeben. Die Angst, zu viel vom Inhalt zu verraten – vor sogenannten Spoiler –, ist unnötig.

      - Das sehe ich ganz anderes. Gerade bei Spannungsliteratur sind Twists so wichtig, dass ich nicht möchte, dass die vorweg genommen werden. Wer spoilert, der macht das einmal, beim zweiten Mal ohne Vorwarnung würde das Blog aus meiner Blogroll fliegen.
      ____

      Alle Arten von Sternchen oder Punktevergaben sind Schwachsinn und bringen rein gar nichts.

      - Ich finde die eigentlich ganz nett.

      ____

      Weitaus wichtiger als eine derartige pseudo-präzise Bewertung ist die Einbettung des besprochenen Werks. Wo sind Buch und Autor zu Hause, in welchem Umfeld sind sie entstanden, wie wurden sie aufgenommen, welche Rolle spielen literaturgeschichtlich, in Bezug auf das Genre, das Ouevre des Autors etc. etc. Das muss nicht alles in eine Rezension einfliessen, als Leser muss ich aber eine Ahnung kriegen, wo ein bestimmtes Werk herkommt und welches Vorwissen ich allenfalls mitbringen sollte.

      - Welcher Bücher-Blogger kann das leisten, dass er ein Werk so einordnen kann? Die wenigsten, mich inklusive. Ich und die meisten anderen dürften auch diesen Anspruch nicht haben.

      • Welcher Bücher-Blogger kann das leisten, dass er ein Werk so einordnen kann? Die wenigsten, mich inklusive. Ich und die meisten anderen dürften auch diesen Anspruch nicht haben.

        Genau das ist ja der Kritikpunkt der Gruppen, die sich seit 250 Jahren mit Literaturkritik auseinandersetzen: Dass die von “Laien” verfassten Texte nicht nur häufig sprachlich unter aller Kajüte sind, sondern dass sie auch das “bisher” übliche Fachwissen vermissen lassen. Im Prinzip wiederholt sich auf einem neuen Terrain hier die Kritik, die auch schon in anderen Bereichen an den Veränderungen in der Medienlandschaft geübt worden ist (z.B. Nachrichten-Blogger etc.)

        BTW: Ich war so frei, deine Kommentare mal zu formatieren, dass man die Zitate besser erkennen kann. Ich arbeite daran, die zu Verfügung stehenden Befehle unten anzeigen zu lassen ;)

        • Genau das ist ja der Kritikpunkt der Gruppen, die sich seit 250 Jahren mit Literaturkritik auseinandersetzen: Dass die von “Laien” verfassten Texte nicht nur häufig sprachlich unter aller Kajüte sind, sondern dass sie auch das “bisher” übliche Fachwissen vermissen lassen.

          -
          Das interessiert mich aber auch gar nicht. Ich muss nicht unbedingt wissen, wie wirkungsmächtig ein Text war. Mich interessiert nur, wie er mir gefallen wird. Zudem werden in Blogs eher Bücher besprochen, die von der normalen Kritik geschmäht werden.
          Oder auch gerade bei Sachbüchern: Wenn ein Experte zum Thema ein Buch für gut befindet, dann muss es für mich noch lange nicht lesbar sein. In dem Zusammenhang finde ich es überings sehr schade, dass fast nur Belletristik besprochen wird.

  5. Auch wenn es nicht zu 100% passt, finde ich folgenen Artikel in Zusammenhang mit unserer Diskussion für lesenswert:

    ….
    Damit einher geht ein Rückgriff auf meinen Artikel über den Verlust des Mittelmaßes neulich. Positive Bewertungen sind nicht reißerisch, aber letztlich dennoch schwer. Abwägen von Für und Wider in schriftlicher Form sogar nicht viel, viel schwerer. Ich habe umgekehrt aber sogar noch das Gefühl, dass eine regelrechte Sucht nach Abreaktion den Nörgelwillen sogar noch steigert. Vielleicht ist es auch ein allgemeines Gefühl diffuser Unzufriedenheit, dem man nun mit der Kritik ein Ventil geben kann. Und solche Krawall-Meinungen sind letztlich einem Werk immer unangemessen.
    Gerade an Orten wie innerhalb der Amazon-Rezensionen, wo entsprechenden Beiträgen ja noch mal ein ganz eigenes Forum geboten wird, kann man alle möglichen Varianten dieses Phänomens sehen. Die Tage stolperte ich über die englisch Ausgabe einer Buchreihe, eine Omnibus-Ausgabe in einem Band, der ein Käufer nur einen Stern gegeben hatte, weil ihm die Aufmachung des Covers nicht gefiel. Ich bin sicher, der Autor, der Setzer des Innenteils, der Lektor, eventuell ein Redakteur und die anderen Mitarbeiter beim Verlag werden da so ihre eigenen Meinung zu haben.
    ….

    Weiter bei http://thomasmichalski.wordpress.com/2012/08/06/sei-kein-kritiker-sei-auch-mal-einfach-fan/

    • Thomas Michalski mag Recht haben, mit dem, was er in seinen beiden Artikeln sagt, aber den Schuh können wir uns hier zumindest nicht anziehen: Ein Blick in meine Datenbank zeigt mir, dass wir hier 78 Empfehlungen, 61 Besprechungen von mittelmäßigen Romanen und “nur” 36 Verrisse online gestellt haben. Zur Qualität von Bewertungen auf Amazon werde ich mich nicht äußern. Ich kann da absolut nicht nachvollziehen, wie überhaupt positive und negative Urteile zustande kommen. Aber mein Eindruck ist, dass die überwiegende Zahl der Blogger und Portale ziemlich gutmütig rezensiert – ohne das Mittelmaß zu verlieren. Vielleicht ist das aber auch abhängig von der Art der Fans und des Mediums (Spiele, DVDs, Bücher etc.)

      • Auch wenn diese Diskussion schon lange vorbei ist…: Rezensionen werden gekauft. Ich habe mich bei einem Text-Kauf-Portal angemeldet. Vollkommen schamlos werden dort Texte in Auftrag gegeben (für ganz wörtlich ‘nen Euro), die zugleich auf einem Rezensionsportal (Amazon o.ä.) zu veröffentlichen sind. Ich erinnere mich, dass sogat ein Übersetzungsservice positive Kritiken für seine Leistung (HA, HA) gekauft hat. Schwach, sehr schwach und ethisch doch mindestens fragwürdig. Nein, ich habe diese Aufträge nicht angenommen und möchte mit den Firmen auch nichts zu tun haben. Ich habe sogar überlegt, ob ich nicht eine Kritik/Usermeinug/”Erfahrungsbericht” verfase, in dem ich GENAU DAS offenlege… nur kämen die dann wohl mit dem Anwalt, denn wer schon mit getürkten Kritiken betrügt. Aber ich schweife ab.
        Ich selbst habe eine 0-10 Punktewertungs-Skala. Die ich selbst kritisch sehe. Für die Skala spricht, dass sie eine grobe Einschätzung bringt, in welchem Bereich das Buch ist. Allerdings ist 6 Punkte abwärts dabei schon “ähem” in unterschiedlichen Schattierungen. Eine gleichmäßige Verteilung sollte man aber auch gar nicht erwarten: Wer veröffentlicht denn mit Absicht schlechte Bücher, zumindest in professionellen Bereich? Wenn das doch mal passiert, ärgere ich mich oft auch einfach über meine vertane Zeit.
        Und hier schlage ich den Bogen zur Ausgangsfrage: Eine gute Rezension muss sagen, was das Buch ausmacht, was es gut macht, was es schlecht macht, für wen es geeignet ist. Das muss nicht alles getrennt sein, das muss nicht alles explizit sein. Und ja, da kommt auch Rezensentenmeinung stark mit hinein. Mein Tipp ist immer: Glaube Rezensionen mehr, bei denen Du weißt, dass der Rezensent Deinen Geschmack teilt. Aber vor allem: Lies den Text – manches Buch kriegt eine miese Kritik, die sogar nachvollziehbar ist. Aber für genau die Punkte, die Du immer toll findest. Das macht nicht die Rezension schlecht; im Gegenteil: Du konntest ja entnehmen, warum der Rezensent zur schlechten (Punkt-)Wertung kam – und sie für Dich unter anderem Gesichtspunkt revidieren. Was die Länge angeht: Ich tendiere aus verschiedenen Gründen zu etwas längeren Rezensionen, habe aber auch kein “Blog”. Wobei das auch stark vom rezensierten Werk abhängt. Ich labere leider gerne oder gehe zu weit in literaturwissenschaftliches hinein, meine Pi-Mal-Daumen-Länge ist um die 1-1.5 (Norm-)Seiten. Kürzer ist selten ein Problem. Für längere Rezis brauche ich dann schon einen guten Grund. (Die Hälfte der Schreibzeit geht fürs Korrigieren und Kürzen drauf :o .) Die Gliederung ist hier in der Tat wichtig – Paragraphen werden selbst in der Schule nicht ausreichend beigebracht. Und auch ich bin erst 2011-2(?) zu Zwischenüberschriften übergegangen. Die helfen m.E. enorm. Mit Layout und Struktur kann man schon vieles erreichen. Diese und auch der Anspruch der Veröffentlichung haben Auswirkung auf die Länge. Wer schlicht für “alle Internetuser” ohne Abstriche schreibt, der macht in meinen Augen sowieso schon etwas falsch. Dem glaube ich auch nicht: Einen prototypischen Leser hat man doch immer im Kopf und sei es “jemand, der regelmäßig Fantasy/Sword and Sorcery/Post-Atomkrieg/Star Wars/[Gattung hier einfügen]-Literatur liest”.

        Was macht eine gute Rezension aus?
        Ein klar nachvollziehbares Urteil unter objektiven Gesichtspunkten mit persönlicher Meinung und Begründung.

  6. Pingback: Dystopische Lit. (@dystopia_blog)

  7. In meinem Blog rezensiere ich zwar nicht so häufig Bücher, sondern konzentriere mich mehr auf Produktionen aus anderen Medien. Die Fragen, die im Eröffnungsbeitrag aufgeworfen wurden, habe ich mir jedoch auch schon öfters gestellt und finde die Diskussion hier deshalb sehr interessant. Ich würde darum auch gerne etwas dazu beitragen.

    Eine gute Rezension ist in meinen Augen informativ und meinungsbildend, muss aber auch unterhaltsam zu lesen sein. Besprechungen, die kaum mehr als den Klappentext wiedergeben und in einer Sternchen-Bewertung enden, die objektiv nicht nachvollziehbar ist, sind keine Rezensionen, sondern bestenfalls Lesetipps.

    Was den Umfang der Rezension angeht, so gibt es eigentlich keine richtige Länge, sondern nur eine gute Gliederung. Wenn ein Rezensent ein Buch über den reinen Text hinaus auch noch ausgiebig kulturhistorisch oder im Kontext des Genres einordnen möchte und die Biographie des Autors heranzieht, dann sollte man dafür eigene Abschnitte definieren und diese mittels Überschriften klar abgrenzen. Derjenige Leser, der an solchen Exkursen kein Interesse hat, kann diese dann leicht überspringen. Die Rezension erscheint dann beim Lesen auch nicht mehr so lang. Zahlreiche Rezensenten vergessen immer noch, dass sie ihre Texte, wenn sie online erscheinen, ohnehin anders aufteilen müssen, als wenn diese auf A4 gedruckt würden. Die Zeilen in Blogs sind meist kürzer als auf A4, weshalb Textblöcke, die auf Papier von der Länge her völlig okay wären, auf den Bildschirmen länger, auch teilweise zu lang erscheinen. Buchstabenwüsten schrecken immer ab.

    Ich persönlich schätze die Einbettung des Werkes in seinen Kontext immer sehr. Kein Buch entsteht im luftleeren Raum. Es gibt Trends, an denen sich Autoren orientieren, vergessene Themen, die wieder aufgegriffen werden etc. Mich interessiert es sehr, wie das Buch seinerzeit aufgenommen wurde und wie man es heute sieht.

    Eine knappe Inhaltsangabe ist natürlich verpflichtend für eine Rezension, denn der Leser muss zumindest grundlegend wissen, worum es überhaupt geht. Darüber hinaus sollte man nicht zu sehr auf den Text eingehen, denn dies verleitet zu Nacherzählungen. Was in dem Buch passiert, will der Leser selbst herausfinden. Er liest die Besprechung, weil er die Meinung des Rezensenten erfahren will, der sich mit Büchern auskennt und darum beurteilen kann, ob sich das Werk lohnt oder nicht. Ein eindeutiges Fazit ist darum in meinen Augen ebenfalls Pflicht. Man kann allerdings davon abweichen, wenn man im Text vorher bereits eindeutig klarstellt, wie man das Buch findet. Ich habe auch schon Rezension gelesen, die mit den Worten begannen: “Dieses Buch ist ein Flop!” Anschließend wurde erläutert, warum dies so ist. Ohnehin sollten Wertungen und Meinungen in Rezensionen immer begründet werden, damit der Leser einordnen kann, wie der Rezensent zu diesen gekommen ist und beurteilen kann, ob sie auch für ihn relevant sind.

    Man kann als Rezensent durchaus Fan eines Autors oder einer Autorin sein, doch zu eindeutige Huldigungen an die Person erachte ich als überflüssig. Was sich ebenfalls verbietet, sind natürlich persönliche Beleidigungen an die Adresse des Autors. Nur, weil ein Buch nicht gelungen ist, bedeutet dies nicht, dass der Autor seinen Beruf verfehlt hat. Solche Ratschläge braucht niemand.

    Rezensionen sind immer subjektiv, wenngleich man dies durch die Wortwahl kaschieren kann. Ob man lieber schreibt: Ich finde, dass… hängt vom Geschmack des Rezensenten ab. Wichtig ist, dass man den gewählten Stil durchhält und nicht innerhalb der Rezension hin- und herwechselt.

    Jetzt habe ich sehr viel geschrieben und hoffe, ihr habt diesen Beitrag bis zum Ende gelesen.

    Grüße

    • Hallo Scifiwatchman! Danke dir für deine ausführliche Stellungnahme! Ich persönlich stimme mit dir weitgehend überein. Der Aspekt, dass Kritik auf den Roman und nicht auf die Person bezogen werden sollte, wurde bisher noch gar nicht angesprochen… ich muss manchmal sehr darauf achten, dass ich Kritik, vor allem, wenn ich mich stark geärgert habe, auf den Text selbst und nicht auf die Fähigkeiten des Autors beziehe ;)

        • In dem Falle mache ich das auch… – aber ich meinte damit solche Formulierungen wie ” Herr Sowieso kann nicht schreiben” anstatt “das Buch ist schlecht geschrieben”.

  8. Pingback: @scifiwatchman

  9. Ich möchte noch einmal für die Diskussion danken, da ich davon ausgehe, dass nicht mehr viel kommen wird.) Mir hat sie viel gebracht, gerade auch in der Erkenntnis, längere Texte gegebenfalls durch Zwischenüberschriiften zu gliedern.

  10. Eine Frage hätte ich noch an euch:

    Wie handhabt ihr es mit Meinungen von euch, von denen ihr wisst, dass sie zum Teil die Leser verschrecken könnten?
    Religion oder allgemeines Moralempfinden fallen mir da als Stichworte ein. Schreibt ihr – wenn euch dieser Teil des Buches angesprochen hat – etwas dazu?

    • Zusatzfrage:

      Was wäre euch wichtiger: Eure Meinung zu einem Thema zu schreiben und zu riskieren, von dem ein oder anderen nicht mehr gelesen zu werden oder haltet ihr euch in Anbetracht des Risikos zurück?

      • Also ich gehe darauf ein, wenn ich es wirklich unterirdisch finde. Das Ende von Grants “Neva” fand ich in dieser Hinsicht unmöglich… – vor allem, weil es ein Jugendroman ist. Da muss man das Problem, das man sieht, unbedingt beim Namen nennen, finde ich.

  11. Ein interessanter Punkt. Sollte es in einem Werk einen solche “heiklen Elemente” geben, dann halte ich es so, dass ich dem Leser signalisiere, dass ich mir darüber im Klaren bin, dass es sich um heikle Punkte handelt, zu denen es durchaus unterschiedliche Haltungen geben kann, die alle durchaus legitim sind. Anschließend beschreibe ich, welche Haltung man vielleicht haben sollte, um mit diesen Elementen kein Problem zu haben. Man kann dann hinzusetzten, dass jemand, der diese Sichtweise auch hat, wahrscheinlich der Meinung sein wird, dass das Werk dadurch an Wirkung, Aussage oder Relevanz gewinnt. Der Leser der Rezension kann dann selbst entscheiden, ob der auch diese Haltung hat, oder ihm die Sache dann doch zu heikel bzw. zu extrem ist.

    Auf diese Weise wird man beiden Seiten gerecht. Manche werden das Buch vielleicht deshalb kaufen und andere aus dem gleichen Grund nicht. Beide sind aber dankbar dafür, dass man offen über diese Sache gesprochen hat.

    Ganz grundsätzlich: Wenn jemand meine Rezensionen nicht mehr liest, weil ihm meine Auffassung zu bestimmten Dingen ich gefällt, muss ich damit leben. Es gibt nämlich genug Leser, die sie gerade deshalb lesen.

    • So kann man das machen. Ich habe eben mal nachgelesen, wie ich das das letzte Mal gelöst habe; in Susan Beth Pfeffers http://dystopischeliteratur.org/2012/01/07/susan-beth-pfeffer-die-verlorenen-von-new-york wurde es zum Ende hin ungemütlich katholisch. Offensichtlich habe ich mich darauf verlegt, nur den Sachverhalt als solchen darzustellen, aber mit einem Unterton, der deutlich macht, dass mir das gegen den Strich ging. Man muss die Dinge nicht immer direkt beim Namen nennen.

      • Rausmogeln kann man sich vielleicht noch bei einem Roman, aber nicht mehr beim einem (politischen) Sachbuch. Da muss man Stellung beziehen, und oft genug liegt man ausserhalb der *offiziellen* Linie, z.b. zu bestimmten Ländern.

        Ihr kennt sicherlich den schönen Spruch *Rede nicht über Religion, Politik (und Geld), wenn du keinen Ärger möchtest.* Was meiner Erfahrung nach auch stimmt.

        Ich habe es erst wieder kürzlich bei einem Buch über den Islam und den Westen, dass sich (wahrscheinlich deswegen) jemand entfollowed hat. Aber deswegen kann ich ja nicht nur Wohlfühlbücher besprechen.

        Selbst bei einfachen Büchern wie von Dan Brown wird es schwer werden, nicht die Rolle des Opus Dei in der Kirche zu erwähnen.

    • Anschließend beschreibe ich, welche Haltung man vielleicht haben sollte, um mit diesen Elementen kein Problem zu haben.

      Das geht aber bei umstrittenen Themen nicht immer.

      Nehmen wir mal Israel:

      Die offizielle Haltung ist, dass die Existenz des Staates gerechtfertigt ist, weil Juden eine Zufluchtsstätte bräuchte.
      Man kann aber auch der Ansicht sein, dass der Raub von Land unter keinen Umständen gerechtfertigt ist.

      Ich möchte hier keine politische Debatte aufmachen, sondern nur aufzeigen, wie schnell man sich mit der eigenen Haltung im Widerspruch zur offziellen Schule befinden kann und damit Gefahr läuft, Leser vor den Kopf zu stoßen und soagr zu vergraulen.

  12. Was imir noch eingefallen ist:

    Was ich bei Rezensionen immer interessant finde, sind Verlinkungen zu Rezensionen anderer Blogger zu dem Buch oder bei Sachbüchern auch Links zur weiteren Information. Das gibt es leider viel zu selten.

    • Da hast du Recht. Das finde ich auch wichtig – und mache es viel zu selten…

      • Gerade Zeitungsartikel finde ich deswegen interessant, weil sie aufzeigen, wie der Autor sich seine Meinung gebildet hat.
        Es ist (als Leser) durchaus ein Unterschied, ob dies in der *Jungen Freiheit* (heißt die Zeitschrift nicht so, oder in *Die Zeit* geschah. Von tiefergehenden Informationen abgesehen.

        Die Rezis von Zeitungen und Blogs verlinke ich manchmal noch Wochen später nach, wenn sie mir auffallen.

  13. Um in deinem Beispiel zu bleiben: Nehmen wir einmal an, in dem Buch geht es um einen Palästinenser, der als Selbstmordbomber loszieht, um so viele Israelis wie möglich zu töten, weil er der Meinung ist, die Juden sollten ausgemerzt werden.

    Nun kann man doch in einer Rezension schreiben, dass die Handlungs- und Denkweise der Hauptfigur nachvollziehbar geschildert ist, angesichts der Umstände und des Klimas des Hasses, in den er aufgewachsen ist. Dass Bombenanschläge den Konflikt nicht lösen werden, sondern beide Seiten aufrichtig zu einem Miteinander bereitsein müssen, kann man schreiben.

    Dass Raub von Lands unter keinen Umständen gerechtfertig ist, kann man als einen Standpunkt durchaus äußern. Ich würde mich immer bemühen, die Sache ausgeglichen zu halten, indem ich schreiben würde, dass die Existenz Israels (ganz gleich, wie der Staat damsls zustande gekommen ist) nun einmal eine Tatsache darstellt, die man nicht wegdiskutieren oder wegbomben kann.

    Grundsätzlich muss jeder Rezensent für sich klären, ob er seine persönliche Meinung so deutlich und vielleicht provokativ einbringen will. Wer dies will, kann wohl auch damit leben, wenn er ein paar Leser verliert. Wer seine Leserzahl optimieren will, wird wohl eher von der Äußerung provokanter Thesen Abstand nehmen.

  14. Mir ist noch etwas einefallen: Aussagekräftige Überschriften. Ich kenne zwei Blogs, die ich rausgeschmissen habe, weil dort grrudsätzlich weder Titel noch Autor in den Überschriften erwähnt wurden.

    • So etwas sollte man auch nicht vergessen – und btw: Google liebt das Keyword im Titel und den Überschriften ;)

      • Ich finde das ausgesprochen schade, dass ich diese Blogs rausbefördern musste, aber ich konnte anhand des Feedreaders nicht entscheiden, ob ich die Artikel lesen möchte oder nicht.

        Zwischen *Eine Reise ins vikorianische London* und *Das karmensinrote Blütenblatt* (Titel) liegen bei der Leseentscheidung nun einmal Welten.

        • Aktuelle Überschriften:

          Solange es wenigstens den Göttern dämmert… – “Unendlichkeiten” von John Banville

          “Ich habe ein dringendes Verlangen nach Glück.” – “Souvenirs” von David Foenkinos

          Der Leser wird dadurch gezwungen, den Artikel zu öffnen, weil er (oder zumindest ist) vorher nicht entscheiden kann, ob er interessant sein könnte.
          Ausgesprochen bedauerlich, das dazugehörige Blog ist gut.

          • Aber sind das nicht Rezensionen mit Nennung von Autor und Titel oder stammen die Ergänzungen von dir?

          • Blog gefunden – google hilft… also tatsächlich nur der erste Teil

          • Aber so wie sie das macht, finde ich das nicht so schlimm – im Index sind jeweils Autor und Titel aufgeführt – und der Loop auf der Homepage zeigt jeweils den ganzen Artikel. Ok. im Newsreader sieht das anders aus – da müsste sie dann den ganzen Artikel anzeigen lassen – oder zumindest das Cover

          • Ich verwende den internen Firefox-Reader und der zeigt eben nur den Artikelnamen an. Unter *Solange es wenigstens den Göttern dämmert… * kann ich mir nun einmal wenig vorstellen, ich muss also jedes Mal wieder die Entscheidung treffen, ob ich den Artikel übergehe (dann brauche ich das Blog nicht zu abonnieren) oder ob die jedes Mal reinsehe. In den beiden Fällen ist das augesprochen bedauerlich, da sowohl die Art des Rezis als auch die besprochenen Bücher sehr gut sind.

            Ich lese nun einmal nicht jeden Artikel in jedem Blog, sondern entscheide dies über die Überschrift der Artikel.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>